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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 393 -
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2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung 393 Die „Überprüfung der Fakten“, so der stellvertretende Stabschef der zum Schutz der CGV abgestellten NKVD-Truppen, hätte ergeben, dass „entwe- der uns gegenüber feindlich eingestellte Personen mit dem Ziel der Diskre- ditierung der Roten Armee oder einzelne undisziplinierte Militärangehörige der Roten Armee diese Verbrechen“ verüben würden. Letztere wären vor- wiegend „kranke Soldaten, die unorganisiert in Spitäler geschickt oder von dort zurückkommen“ würden. Als Gegenmaßnahme wurde angeordnet, die Dokumente aller Militärangehörigen im Zug genau zu kontrollieren und ge- gebenenfalls Verhaftungen vorzunehmen.296 Weniger als einen Monat später konnte das 37. Grenzregiment erste Re- sultate der „Filtration“ jener Züge vorlegen, die in Wien ankamen oder von dort wegfuhren. Insgesamt 58 Personen wären festgenommen worden, da- von: zwei „Banditen“, acht Deserteure, zwei „Plünderer-Vergewaltiger“, 31 Militärangehörige ohne Dokumente, zwölf Zivilpersonen ohne Dokumente und drei sowjetische DPs.297 Die „feindlichen Banditen“ waren, wie sich her- ausstellen sollte, eindeutig in der Minderheit. 2.4 „Amoralische Erscheinung“ Trunksucht „Trunksucht“ („p’janstvo“) galt als eine der häufigsten Formen „amoralischer Erscheinungen“ in der Armee,298 zu denen man auch Diebstahl, Übergriffe auf die Bevölkerung oder Suizid zählte. 84 Prozent aller registrierten „amora- lischen Erscheinungen“ im ersten Quartal 1946 gingen auf dieses „Übel“ mit langer Tradition zurück.299 Bei den Fronttruppen hatte der selbst gebrannte Schnaps („samogon“) als wichtige Währung gegolten. Exzesse hatten bereits 296 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 28, S. 265f., Maßnahmenplan des stv. Leiters des Stabes der NKVD-Trup- pen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberstleutnant Povarov, für die Herstellung der not- wendigen Ordnung in den Zügen in Österreich und Ungarn, 5.11.1945. 297 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 28, S. 292f., Bericht des Kommandeurs des 37. Grenzregiments, Oberst Jaroslavskij, und des Leiters des Stabes, Major Pavluškin, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, über die Resultate der Überprüfung von Zügen, 29.11.1945. 298 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 25–41, hier: S. 33, Bericht des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, und des Leiters der Politabteilung, Oberst Šukin, an den stv. Leiter der Inneren Truppen des NKVD, Generalleutnant Sladkevič, über den politisch-moralischen Zustand und die militärische Disziplin in den NKVD-Truppen im 4. Quartal 1945, 10.1.1946. 299 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 110–127, hier: S. 117, Bericht des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, und des Leiters der Politabteilung der Truppen, Oberst Šukin, an den stv. Leiter der Hauptverwaltung der Inneren Truppen des NKVD, Generalmajor Skorodumov, über den politisch-moralischen Zustand und die Disziplin in den MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV im 1. Quartal 1946, 9.4.1946.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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