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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung416 die sowjetische Kriegspropaganda noch die militärische Führung jemals ex- plizit zu Vergewaltigungen aufgefordert hätten. Zwar schwor man Soldaten und Zivilisten ab dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941 bis ins Frühjahr 1945 auf den „Tod der deutschen Okkupanten“ ein. Doch galt der indoktrinierte Hass den „faschistischen“ Soldaten, nicht den Frauen der „Fritzen“. (In der sowjetischen Kriegspropaganda für deutsche Soldaten war bemerkenswerterweise sogar der Topos der „Schutz-Staffel- Bande“, die im Fronthinterland die Frauen der Wehrmachtssoldaten verge- waltigte, als Aufruf zum Überlaufen verwendet worden.)376 Trotzdem spiel- te die Propaganda bei der Feindwahrnehmung und der Rechtfertigung von Racheakten eine aktive Rolle. Vorgefertigte Bilder schürten den kollektiven Zorn, der schließlich an Frauen entladen wurde. Die Zahlen sprechen für sich: In Ostpreußen, wo die Rote Armee erstmals deutschen Boden betrat, und in Berlin – der „Höhle der Bestie“ – waren die sexuellen Übergriffe besonders zahlreich und gewalttätig. Doch auch in Un- garn und Rumänien wurden unzählige Frauen zu Opfern. Noch im Juni 1945 berichtete ein NKVD-Generalmajor über Rumänien: „Die Fälle von unwürdi- gem Verhalten der Militärangehörigen gegenüber der örtlichen Bevölkerung […] werden mit jedem Tag mehr.“377 Die brutalen Massenvergewaltigungen stellen auch die Umkehrung des Terrors dar, den viele Sowjetbürger selbst erdulden hatten müssen. Mit auf- gestauter sexueller Begierde allein sind diese nicht zu erklären.378 Propagan- dabilder hatten sich tief eingeprägt – etwa das berühmte Plakat von Pavel Petrovič Sokolov-Skalja „Soldat, weiche nicht zurück!“ aus dem Jahr 1942.379 376 Vgl. dazu etwa das Flugblatt mit der Aufschrift „Deutscher Soldat! Du vergießt im Kampfe dein Blut, du leidest schrecklich, verlierst dein Hab und Gut; indessen vergewaltigt im Hinterlande dei- ne Frau die Schutz-Staffel-Bande.“ Auf der Rückseite wurde dieses Schreckensbild weiter konkre- tisiert: „Junge deutsche Soldaten! Die faschistischen Machthaber jagen euch an die Front eurem unvermeidlichen Untergang, eurem Tode entgegen, und die hitlerischen Kerle aus den SA- und SS-Truppen vergewaltigen währenddessen eure Frauen, Schwestern und Bräute. Also, während ihr den Krieg führt, werden eure Frauen, Schwestern und Bräute auf Befehl der Schurken Hitler und Himmler von den SA- und SS-Kerlen Kinder gebären. Junge deutsche Soldaten! Ist es euch denn gleichgültig, dass eure Familien, Frauen, Schwestern und Bräute von den faschistischen Hunden vergewaltigt, geschändet und entehrt werden?“ Faksimile abgedruckt in: Belousov – Vatlin, Pro- pusk v raj, S. 150. 377 RGVA, F. 38756, op. 1, d. 6, S. 140–143, hier: S. 142, Bericht des Kommandeurs der 66. NKVD-Schüt- zendivision, Generalmajor Bulyga, und des stv. Stabsleiters, Hauptmann Levinenko, an den Kom- mandeur des 40. NKVD-Grenzregiments über Vergehen von Angehörigen der Roten Armee und der NKVD-Truppen in Rumänien, 16.6.1945. 378 Schmidt-Harzbach, Eine Woche im April, S. 33. 379 „Boec, ne otstupaj!“ Vgl. dazu das Faksimile in: Christophe Barthélémy, Vierges et martyres dans l’imagerie soviétique, in: François Rouquet – Fabrice Virgili – Daniéle Voldman (Hg.), Amours, guerres et sexualité 1914–1945. Paris 2007, S. 99–101, hier: S. 99.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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