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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung430 müssen vernichtet werden. Wenn man diesen Elementen freien Lauf ließe, würden sie in kurzer Frist unsere Armee in eine Kanzlei verwandeln. Diese Elemente sind sofort ihrer Posten zu entheben, zu degradieren, zu Schützen zu machen und erforderlichenfalls auf der Stelle zu erschießen, an ihre Stel- le sind tapfere und kühne Männer aus den Reihen der Unterführer und der einfachen Rotarmisten zu setzen“, forderte der Stavka-Befehl Nr. 270 vom 16. August 1941.420 Rund ein Jahr später, am 28. Juli 1942, trat Stalins Befehl Nr. 227 in Kraft, der die Soldaten nochmals in die Pflicht nahm. Feiglingen, Defä- tisten und anderen „Schurken“ drohten Strafbataillone oder der Tod. Offizie- re, deren Leute sich ohne ausdrücklichen Befehl zurückzogen, waren fortan wegen eines Kapitalverbrechens festzunehmen.421 Die Parole lautete bereits 1941, bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen und gegebenenfalls Selbstmord einer Gefangennahme vorzuziehen. Schließ- lich galt Kriegsgefangenschaft – ebenso wie Desertion – als Vaterlandsverrat. Dem berüchtigten Befehl Nr. 270 lag die Überzeugung zugrunde, mangeln- der Kampfwille und nicht Unvermögen oder objektive Ausweglosigkeit wäre die Ursache der sowjetischen Rückschläge zu Beginn des „Großen Vaterlän- dischen Krieges“ gewesen. Die bloße Tatsache, dass ein Armeeangehöriger den Rückzug angetreten oder sich „dem Feind ergeben“ hatte, wertete Mos- kau als zweifelhafte Einstellung gegenüber der Sowjetunion.422 Doch trotz der grausamen Strafen waren Desertionen auch weiterhin kei- ne Seltenheit. Die Soldaten waren verängstigt. Tod und Verstümmelung im Gefecht fürchteten sie mehr als ihre Kommissare im Rücken. Allein im Okto- ber 1941 gab es in Moskau nahezu 130.000 Verhaftungen wegen „Verstößen gegen Militärvorschriften“, darunter knapp 5000 Deserteure und 12.000 der Drückebergerei verdächtigte Personen. Während des Krieges wurden schät- zungsweise 158.000 Todesurteile förmlich verhängt. Dazu kommen noch Tausende, deren Leben im Straßengraben endete: als „Vaterlandsverräter“ liquidierte Armeeangehörige und jene, die im Vorfeld von Gefechten offen- 420 CAMO, F. 2, op. 920266, d. 1, S. 526f., Befehl Nr. 270 der Stavka der Roten Armee, 16.8.1941. Auf Deutsch mit anderslautender Übersetzung: Bernd Bonwetsch, Ein Sieg mit Schattenseiten. Die Sow- jetunion im Zweiten Weltkrieg, in: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hg.), Kriegsgefangene – Voennoplennye. Sowjetische Kriegsgefangene in Deutschland. Deutsche Kriegs- gefangene in der Sowjetunion. Düsseldorf 1995, S. 135–140, hier: S. 138. Vgl. dazu Stelzl-Marx, Zwi- schen Fiktion und Zeitzeugenschaft, S. 233f. 421 Merridale, Iwans Krieg, S. 177. 422 Barbara Stelzl-Marx, Kriegsgefangenschaft in der Retrospektive: Kontext, Entstehung und Merk- male von Dmitrij Čirovs „Unter den Verschollenen“, in: Barbara Stelzl-Marx (Hg.), Unter den Ver- schollenen. Erinnerungen von Dmitrij Čirov an das Kriegsgefangenenlager Krems-Gneixendorf 1941 bis 1945. Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes Bd. 43. Horn – Waidhofen/Thaya 2003, S. 13–48, hier: S. 30f.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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