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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 434 -
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung434 als Disziplinarstrafe zehn Tage strengen Arrest. Außerdem zog man ihn zur „parteilichen Verantwortung“ („partijnaja otveststvennost’“).435 Härter sollte die Strafe bei Zacharovs Kameraden Mirzaev ausfallen: Anfang Februar 1946 entfernte sich der Rotarmist aus „seiner persönlichen Undiszipliniertheit“ heraus für vier Stunden unerlaubt vom Dienst. Da dies nicht zum ersten Mal geschah, wurde Mirzaev dem Militärtribunal überge- ben und zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Sein Fall sollte als abschre- ckendes Beispiel dienen, denn bei der Gerichtsverhandlung waren die ge- samte Verwaltung des Regiments und Vertreter der einzelnen Abteilungen zugegen. Auch nach diesem Vorfall führte man mit den Regimentsangehöri- gen die „entsprechende Arbeit“ durch.436 Tatsächlich kam unerlaubtes Entfernen von der Truppe viel häufiger vor, als es dieser NKVD-Bericht vermuten lässt. In Absprache mit dem Leiter der Politabteilung des 24. Grenzregiments wollte Stabschef Galeev seinen Vorge- setzten mit seinem Vorfallsbericht offensichtlich zwei Aspekte näherbringen: Erstens, dass die Disziplin in seinem Regiment weitestgehend in Ordnung war, was wiederum für ihn und die übrige Leitung sprach. Und zweitens, dass bei Verstößen gegen die Regeln hart durchgegriffen wurde, worüber man das gesamte Regiment in Kenntnis setzte. Schließlich oblag es den für die Disziplin und Ordnung zuständigen Beamten, welche Vorfälle sie melde- ten und in welcher Form. Nur in Ausnahmefällen flogen gefälschte Angaben auf.437 Meist wurden derartige Vorfälle vom Kommando und der Politabtei- lung einfach verschwiegen, zumal sie vielfach auf „Verbindungen mit einhei- mischen Frauen“ zurückgingen.438 435 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 156, S. 13–28, hier: S. 19f., Bericht des Kommandeurs des 37. Grenzregi- ments, Oberst Jaroslavskij, und des Leiters der Politabteilung, Major Sudakov, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, über den poli- tisch-moralischen Zustand und die militärische Disziplin im 37. Grenzregiment im 1. Quartal 1946, 31.3.1946. 436 RGVA, F. 32916, op. 1, d. 11, S. 55, Bericht des Stabschefs des 24. NKVD-Grenzregiments, Major Galeev, über Vorfälle im Regiment [März 1946]. 437 Beispielsweise wurde der stellvertretende Kommandeur der Politabteilung des 383. Schützenregi- ments überführt, die Zahlen zu Verbrechen innerhalb des Regiments für Jänner und Februar 1946 geschönt zu haben. Als der Betrug aufflog, schnellten auch die Angaben in der Statistik des Folge- monats um das Doppelte hinauf. Vgl. RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 110–127, hier: S. 113, Bericht des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, und des Leiters der Politabteilung der Truppen, Oberst Šukin, an den stv. Leiter der Hauptverwal- tung der Inneren Truppen des NKVD, Generalmajor Skorodumov, über den politisch-moralischen Zustand und die Disziplin in den MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV im 1. Quartal 1946, 9.4.1946. 438 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 173–178, hier: S. 176, Bericht des Leiters der MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Zimin-Kovalev, und des stv. Leiters der Politabteilung, Oberstleutnant Gončarev, über den politisch-moralischen Zustand der Truppen, 26.7.1946.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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