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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 435 -
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2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung 435 Kurze, unerlaubte Ausflüge in die nächstgelegene Stadt stellten für die Solda- ten eine große Versuchung dar. Sie rechneten damit, unentdeckt zu bleiben oder mit geringfügigen Strafen davonzukommen. Häufig nutzten sie die Ab- stecher für Kino- und Lokalbesuche, Einkäufe oder ähnliche Vergnügungen. Im August 1945 nahmen Militärkommandanturen „eine große Zahl“ von NKVD-Mannschaftssoldaten und Unteroffizieren fest, die sich „ziellos in den Straßen der Stadt herumtrieben“. Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass die meisten keine Freigangpapiere hatten. Daraus zog man die sicherlich kor- rekte Schlussfolgerung, dass sie sich unerlaubt von ihren Einheiten entfernt hatten.439 Wieder war der NKVD – Hüter von Ordnung und Disziplin – selbst kein leuchtendes Vorbild. Problematisch waren die Fälle unerlaubten Entfernens von der Truppe in mehrerer Hinsicht: Sie stellten einen Verstoß gegen die militärische Disziplin dar, um die es sowieso nicht zum Besten stand. Wurden derartige Vorfälle bekannt, mussten auch die Vorgesetzten die Verantwortung übernehmen. Außerdem verübten die Delinquenten während des unerlaubten Fernbleibens häufig weitere Vergehen, besonders das vorhin erwähnte „amoralische Ver- halten“ der Trunksucht. Manche betranken sich bis zur Bewusstlosigkeit, was mit zehn Tagen strengem Arrest bestraft wurde. Wenn hingegen in dieser Zeit ein Kino besucht wurde, betrug die Strafe fünf Tage strengen Arrests.440 439 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 28, S. 121, Bericht des Bevollmächtigten des Stabsleiters des 37. NKVD- Grenzregiments, Hauptmann Bajtuganov, über den Befehl des Kommandeurs zur Verhinderung unerlaubten Entfernens von der Truppe, 23.8.1945. 440 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 156, S. 13–28, hier: S. 15f., 19f., Bericht des Kommandeurs des 37. Grenz- regiments, Oberst Jaroslavskij, und des Leiters der Politabteilung, Major Sudakov, an den Leiter Abb. 57: Kurze, unerlaubte Ausflüge in die nächste Stadt stellten einen Verstoß gegen die militärische Disziplin dar, standen aber auf der Tagesordnung. (Quelle: AdBIK, Sammlung Borisov)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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