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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung442 Wirtschaftsabteilung der Verwaltung für Militärkommandanturen (UVK) in Wien. Am 18. April 1947 verhafteten ihn Mitar- beiter der sowjetischen Spionageabwehr in einer Wohnung am Opernring 17/6. Dort hatte sich Elizarov im März mit sei- ner 20-jährigen österreichischen Freundin Bianca H. versteckt, anstatt seinen Sohn aus Moskau nach Wien zu holen. Der Offizier hatte insgeheim geplant, in die USA zu emigrieren. Neben der Liebe zu einer Österreicherin hatte ihn sein Wunsch, im Westen zu leben, zur Desertion bewogen. Doch die Annahme, dass er in der französischen Zone Wiens vor sowjetischem Zugriff sicher war, stellte sich als falsch heraus. Eli- zarov wurde verhaftet und rund einen Monat später, am 22. Mai 1947, vom Militärtribunal der CGV unter Vorsitz von Generalmajor Smetanin nach den Artikeln 319 und 32a der UPK des Tribunals zu einer Freiheitsstrafe unter Aberkennung des militärischen Ranges sowie nach Artikel 58-1b des Strafge- setzbuches der RSFSR zur Höchststrafe – Tod durch Erschießen mit Konfiska- tion des Eigentums – verurteilt.463 Im Prozess kamen auch seine alten „Sünden“ zum Vorschein: Gegen Kriegsende war Elizarov wegen einer Infektionskrankheit hinter seiner Truppe in Rumänien zurückgeblieben. Nun warf man ihm vor, dieser nicht auf schnellstem Wege, sondern über Ungarn, die Tschechoslowakei und Deutschland nach Österreich gefolgt zu sein. Zu seiner Verteidigung führte Elizarov an, er habe die eventuell einzige Gelegenheit in seinem Leben, Städte wie Bukarest, Budapest und Prag, ihre Architektur, Museen und Theater zu sehen, nicht ungenützt verstreichen lassen können.464 Nach der Verurteilung durch die „Trojka“ folgten Tage der Ungewissheit 463 Ėrik Voroncov, Reka vody žizny. Dokumental’noj roman XXI veka. St. Petersburg 2005, S. 141f., 273–279. Herrn Ėrik Voroncov, Moskau, danke ich herzlich für die Bereitstellung seiner Publikation und für wertvolle Auskünfte über seinen Vater. 464 Ebd. Abb. 59: Georgij Elizarov wurde im April 1947 von der sowjetischen Spionageabwehr in der Wohnung seiner Wiener Freundin verhaftet und wegen Vater- landsverrats zunächst zum Tod verurteilt. Die Strafe wurde jedoch später in eine 25-jährige Lagerhaft umgewandelt. Im Zuge der „Tauwetterperiode“ wurde der ehemalige Besatzungssoldat 1956 aus dem GULAG befreit. (Quelle: Sammlung Stelzl-Marx, Bestand Voroncov)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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