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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 448 -
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung448 Als Fluchthelfer kamen Einheimische ebenso infrage wie sowjetische Ar- meeangehörige. So ergaben etwa die vom Geheimdienst geführten Verhöre wieder aufgegriffener Deserteure, dass ein „Unbekannter in sowjetischer Uniform“ im Gebiet Straßhof mit Stempeln versehene Formulare „dem ver- brecherischen Element“ gegen Wertgegenstände verkaufte. Wie die Auf- klärungsoffiziere in der Folge herausfanden, handelte es sich dabei um den Leiter einer Werkstatt der 162. Fliegerdivision der 8. Garde-Division. Dieser hatte zuvor als Chef der Militärpost 21849 gedient und nach deren Auflösung Vordrucke diverser Dokumente mit Stempeln und Siegeln bei sich aufbe- wahrt bzw. diese verkauft. Bei seiner Festnahme fanden die Aufklärungsof- fiziere mehr als 100 leere Formulare, die sich für Fälschungen eigneten. Der Oberleutnant wurde daraufhin der Gegenspionage „Smerš“ der 8. Fliegerdi- vision übergeben.485 Der Vorwurf der Anstiftung zur Desertion traf auch die Mitarbeiter des Militärspitals Nr. 3255. Sie hatten den „Banditen“ gegen Bezahlung zu ge- fälschten Dokumenten verholfen, die mit Stempeln des Spitals versehen wa- ren. Der Schreiber hatte in Anwesenheit von sowjetischen Offizieren mehrere dieser Formulare verkauft und dafür einen Anzug erhalten.486 Generell ging die sowjetische Führung davon aus, dass die Deserteure – abgesehen von Kontakten zur Unterwelt – häufig Unterstützung seitens der einheimischen Bevölkerung erhielten. Dies betraf etwa Hilfestellungen und Hinweise, wenn sich Fahnenflüchtige vor dem Zugriff der Sowjets verbergen wollten.487 Die Festnahme eines Deserteurs konnte daher auch schwerwie- gende Konsequenzen für „Komplizen“ haben. So wurde Bianca H., die sich, wie erwähnt, mit Georgij Elizarov im französischen Sektor Wiens versteckt hatte, gemeinsam mit ihrem sowjetischen Freund verhaftet. Sie stand unter dem Verdacht, „Anstifterin“ oder „Gehilfin“ gewesen zu sein. Instinktiv ver- schwieg sie bei den anschließenden Verhören seine Fluchtpläne: „Und eines Tages sind die Russen vor der Tür gestanden. Und ich hab gesagt: ‚Kommt überhaupt nicht infrage! Ich mach nicht auf. Wenn, dann muss österreichi- sche Polizei her!‘, und die ist dann gleich her – waren ja so viele Kommunis- ten bei der Polizei. Und der eine hat noch gesagt: ‚Sie sind schuld, ihn so ins 485 RGVA, F. 32916, op. 1, d. 11, S. 41–45, hier: S. 42, Operative Tagesmeldung Nr. 0011 des Komman- deurs des 24. NKVD-Grenzregiments, Oberst Kapustin, und des Stabschefs, Major Galeev, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, 31.1.1946. 486 Ebd. 487 RGVA, F. 32916, op. 1, d. 11, S. 23–26, hier: S. 23, Operative Tagesmeldung Nr. 0010 des Kom- mandeurs des 24. NKVD-Grenzregiments, Oberst Kapustin, und des Stabschefs, Major Galeev, 14.1.1946.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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