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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung456 Vorfälle dieser Art waren kein Einzelfall. Gerade in den ersten Nachkriegs- jahren formierten sich Österreicher, um gegen das Unwesen sowjetischer Sol- daten vorzugehen.512 Sobald sich diese zur Wehr setzten, konnte die Situation eskalieren. Dies traf etwa auch auf drei „Hilfspolizisten“ in Kagran zu, die eine Gartensiedlung bewachten. Ein Bekannter von ihnen, Franz Sonnleitner, rief sie herbei, da sich ein fremder Zivilist in seinem Gartenhaus einquartiert hatte. Als die drei „Polizisten“ den Raum betraten, griff der Fremde unter den Kopfpolster. Daraufhin erschoss ihn Franz Rohr. Beim Verscharren der Leiche stellte sich heraus, dass es sich um einen desertierten Rotarmisten han- delte. Der Vorfall blieb zunächst unentdeckt. Erst als sich Rohr zwei Jahre später stark alkoholisiert in einem Gasthaus seiner „Heldentat“ rühmte, wur- den die Sowjets auf ihn aufmerksam. Ein Militärtribunal verurteilte alle vier zu mehreren Jahren ITL.513 Im Zusammenhang mit (versuchten) Vergewaltigungen wurden ebenfalls mehrere Rotarmisten getötet. So erschoss der Oberösterreicher Josef St. im Mai 1945 einen sowjetischen Leutnant, der seine im sechsten Monat schwan- gere Tochter Margarete vergewaltigen wollte. Josef St. wurde zu fünf Jahren ITL verurteilt.514 Vielfach blieben die Täter unentdeckt. Der NKVD berichtete Ende Mai 1945: „Es kommt weiterhin zu Fällen von Morden an einzelnen Angehöri- gen der Roten Armee durch unbekannte Personen.“ Beispielsweise war am 9. Mai in Graz ein Feldwebel der Abteilung für Gegenspionage „Smerš“ der 20. Garde-Schützendivision mit einem stumpfen Gegenstand getötet worden. Dazu der NKVD: „Die Mörder sind untergetaucht.“515 2.7.2 Übergriffe und Körperverletzungen Zu Übergriffen seitens Einheimischer kam es aber auch, weil diese gezielt Ra- che an Rotarmisten üben wollten. Ein Beispiel dafür ist das Attentat auf einen 512 Ein Beispiel dafür ist der ausführlich geschilderte Fall von Zahling im Burgenland, wo sich Ein- heimische formierten, um im Juni 1945 den Übergriffen durch „drei sowjetische Reiter“ nach meh- reren Wochen ein Ende zu bereiten. Bei einer Schießerei fanden zwei der Sowjetbürger den Tod. Vgl. Wolfram Dornik – Michael Hess – Harald Knoll, Burgenländische Kriegsgefangene und Zivil- verurteilte in der Sowjetunion 1941–1956. Burgenländische Forschungen Bd. 95. Eisenstadt 2007, S. 155–159. 513 AdBIK, Datenbank verurteilter österreichischer Zivilisten in der UdSSR; Herbert Killian, Geraubte Jahre. Ein Österreicher verschleppt in den GULAG. Wien 2005, S. 74f. 514 AdBIK, Datenbank verurteilter österreichischer Zivilisten in der UdSSR. 515 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 104, S. 217, Operative Tagesmeldung Nr. 00137 des Stabes des 17. NKVD- Grenzregiments, des Kommandeurs des 17. NKVD-Grenzregiments, Oberst Pavlov, und des stv. Leiters des Stabes, Hauptmann Alabušev, 21.5.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 68.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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