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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 457 -
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2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung 457 sowjetischen Generalmajor in Wien im August 1946. In der Nacht warfen Un- bekannte zwei Granaten durch das Fenster in sein Zimmer. Diese explodier- ten zwar, doch der Generalmajor blieb unverletzt.516 Auch Vergiftungen – in erster Linie durch Alkohol – fallen in diese Kate- gorie. Der Militärrat der CGV sah sich sogar gezwungen, am 5. und 12. No- vember 1945 die Befehle Nr. 0121 und 0135 „Über den Kampf mit Vergiftun- gen von Militärangehörigen durch alkoholische Getränke“ zu erlassen. Dabei ging die Militärführung davon aus, dass „profaschistische Elemente“ vergif- tete Spirituosen „absichtlich“ zur Vergiftung von Rotarmisten verbreiteten. „Militärangehörige“, so die Schlussfolgerung, „die ihre Vorsicht vergessen hatten, erliegen dieser Provokation und werden Opfer des Feindes.“517 Allerdings dürfte es sich bei der Mehrheit der teilweise auch tödlichen Al- koholvergiftungen eher um Unfälle gehandelt haben als um gezielte Anschlä- ge. Für einige Österreicher endete jedoch der Verkauf von Spirituosen an Be- satzungsangehörige mit einer Verurteilung.518 Es gibt aber auch Hinweise auf geplante Übergriffe, wie der folgende, geradezu perfide Fall zeigt: Am 12. Juli 1946 fügte eine Österreicherin zwei Rotarmisten in der Wiener Stadtbahn „im Spaß“ kleine Einstiche mit einer Nadel zu. Kurze Zeit später mussten die bei- den Mitarbeiter der Handelsabteilung der CGV ins Spital gebracht werden, wo man eine schwere Vergiftung attestierte. Die unbekannte Frau konnte untertauchen. Als Folge wurden die zuständigen Kommandeure über den Vorfall informiert und vor derartigen „Annäherungsversuchen“ gewarnt.519 Züchtigungen „sowjetischer“ Kinder durch Österreicher sah man ebenfalls als Angriff auf die Besatzungsmacht. Vor diesem Hintergrund vermerkte das MVD in seinem Bericht, dass am 20. August 1946 zwei österreichische Po- lizisten den 16-jährigen Sohn eines in Österreich stationierten sowjetischen Offiziers geschlagen hatten. Etwaige Folgen dieser „Provokation“ sind nicht überliefert.520 516 RGVA, F. 32916, op. 1, d. 11, S. 155–162, hier: S. 155, Bericht des Kommandeurs des 24. Grenzregi- ments, Oberst Kapustin, und des bevollmächtigten Leiters des Stabes, Hauptmann Golovačev, an den Leiter der MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV über die militärische und operative Tätigkeit des Regiments per 1. September 1946 [nach dem 1.9.1946]. 517 RGVA, F. 32905, op. 1, d. 291, S. 215, Anordnung des stv. Leiters der Politverwaltung der CGV, Generalmajor Usov, an die NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV über die Befehle zur Vermeidung von Vergiftungen,19.11.1945. 518 Siehe dazu auch das Kapitel B.I.2.4.4 „Verhaftungen von Österreichern“ in diesem Band. 519 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 289, S. 21, Vorfallsbericht über die Vergiftung zweier Rotarmisten durch eine Österreicherin, 23.7.1946. 520 RGVA, F. 32916, op. 1, d. 11, S. 155–162, hier: S. 156, Bericht des Kommandeurs des 24. Grenzregi- ments, Oberst Kapustin, und des bevollmächtigten Leiters des Stabes, Hauptmann Golovačev, an den Leiter der MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV über die militärische und operative Tätigkeit des Regiments per 1. September 1946 [nach dem 1.9.1946].
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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