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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung458 Hingegen wurde der 20-jährige Niederösterreicher Herbert Killian wegen eines geringfügigen tätlichen Angriffs auf ein sowjetisches Besatzungskind zu drei Jahren Besserungsarbeitslager in Ostsibirien verurteilt. Killian konnte erst 1953 nach drei Jahren Haft und weiteren drei Jahren „Freiheit“ auf der Kolyma nach Österreich zurückkehren.521 2.7.3 Verkehrs- und Zugunfälle Einen der häufigsten Gründe für „Verluste außerhalb des Gefechts“ stellten Verkehrsunfälle dar. Allein im April und Mai 1945 verunglückten bei den NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front 28 Soldaten durch Autounfälle, die Hälfte von ihnen durch Kollisionen mit Zü- gen. Die übrigen 15 waren aufgrund von Vergiftungen, falschem Gebrauch von Waffen und ähnlichen Vorfällen ums Leben gekommen.522 Vielfach tru- gen die betroffenen Rotarmisten selbst die Schuld; in den meisten Fällen war Alkohol im Spiel. Belegt sind zudem zahlreiche Unfälle mit erbeuteten – und häufig ungewohnten – Fahrrädern. Diese nahmen solche Ausmaße an, dass dem gesamten Mannschaftsstand alle nicht für den Dienst benötigten Motor- und Fahrräder abzunehmen waren.523 Bereits im Juni 1945 erging zudem der Befehl, die Ausweispapiere, die für die Benutzung dieser Verkehrsmittel ob- ligatorisch waren, strenger zu überprüfen und gegebenenfalls die Fahrzeuge zu beschlagnahmen.524 Kamen dabei andere Besatzungsangehörige zu Schaden, zog man die Un- fallverursacher gerichtlich zur Verantwortung. Beispielsweise verurteilte das 521 Killian, Geraubte Jahre; Barbara Stelzl-Marx‚ Kolyma – Jahre in Stalins Besserungsarbeitslagern, in: Norbert Weigl (Hg.), Faszinationen der Forstgeschichte. Festschrift für Herbert Killian. Schriftenreihe des Instituts für Sozioökonomik der Forst- und Holzwirtschaft. Bd. 42. Wien 2001, S. 147–160; Herbert Killian, Im GULAG von Kolyma. Betroffene erzählen, in: Harald Knoll – Peter Ruggenthaler – Barbara Stelzl-Marx (Hg.), Konflikte und Kriege im 20. Jahrhundert. Aspekte ihrer Folgen. Veröffentlichungen des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung. Sonder-Bd. 3. Graz 2003, S. 73–90. Siehe dazu auch das Kapitel B.III.1.3.2 „Offizierskinder – die anderen Russenkinder“ in diesem Band. 522 RGVA, F. 32900, op. 1, d. 214, S. 80–92, hier: S. 88, Bericht des Chefs der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Generalmajor Pavlov, über die Kampfeinsätze und die Tätigkeit der NKVD-Truppen im Zeitraum April–Mai 1945 [Juni 1945]. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 84. 523 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 161, S. 54, Befehl des Kommandanten des 17. NKVD-Grenzregiments, Oberst Pavlov, und des stv. Stabschefs, Hauptmann Alabušev, bezüglich der nicht im Gefecht er- littenen Verluste, 20.5.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 66. 524 AM 4. GA, Bestand 4. Garde-Armee, Dok. Nr. 23, Befehl Nr. 0144 des Kommandeurs der 4. Garde- Armee, Garde-Generalleutnant Zachvataev, des Mitglieds des Militärrates, Garde-Generalmajor Semenov, und des Leiters des Stabes, Garde-Generalleutnant Derevjanko, über die Vergabe von Beutegut an Generäle und Offiziere der Roten Armee, 25.6.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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