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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder
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„dumm“ oder „aufreizend“,
wo mit sie das gesellschaftliche
Vorurteil von der Mitschuld
der Frauen reproduzieren. Nur
wenige Frauen sind bereit, über
eine persönliche Vergewalti-
gungserfahrung zu sprechen.12
Ein typisches Beispiel für die-
sen Erzähltopos ist das Interview
mit einer 1926 geborenen Wiene-
rin, die das Kriegsende im Keller
eines Wiener Gemeindebaus er-
lebte. Einleitend schildert sie –
beinahe stakkatoartig – das Ein-
treffen der ersten sowjetischen
Soldaten, die als „Eliteeinheiten“
und als „schöne Menschen“
nicht ihren offensichtlich von
der NS-Propaganda geprägten
Vorstellungen „des Russen“ ent-
sprachen: „Es war alles unten im
Keller vorbereitet. Nicht mehr
hinauf. War immer eine Kontrol-
le da, ob alles unten geschützt ist. Eines Tages eben, das war so in der Dun-
kelheit, am 6., glaub ich, war’s, 6. April, hören wir die Stiefel, bum, bum, das
Haus rauf. Werd ich nie diesen Klang vergessen. Diese Stiefel, den Klang, und
schon die Stiege herunter in den Keller. Die Tür war eh schon offen, glaub ich,
und das waren Eliteeinheiten, schöne Menschen, ich kann mich erinnern. Wir
haben immer geglaubt, die Russen, das ist so ein richtiges G’sindel, aber das
waren wirklich Eliteeinheiten. Eine Kontrolle gleich. Alle Keller ausgeleuchtet,
alles geschaut. Alles getan. Und die sind wieder abgezogen, haben das ganze
Haus inspiziert. Haben da nachgeschaut. Und wieder weg.“13
Danach berichtet die Wienerin von den Nachschubtruppen, die der „Eli-
te“ folgten. Für diese verwendet sie pejorativ das Neutrum Singular. Denn
„das“ hätte ihren rassisch-ideologisch geprägten Vorstellungen schon eher
12 Baumgartner, Vergewaltigungen zwischen Mythos und Realität, S. 60f.; Bandhauer-Schöffmann,
Hornung, Der Topos des sowjetischen Soldaten, S. 33f.
13 OHI, Anna C. Durchgeführt von Barbara Stelzl-Marx. Wien 6.10.2003. Zit. nach: Stelzl-Marx, Freier
und Befreier, S. 426f.
Abb. 63: Vor dem zerstörten Stephansdom im April
1945. (Quelle: RGAKFD, Foto: Chaldej)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918