Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 474 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 474 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Bild der Seite - 474 -

Bild der Seite - 474 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Text der Seite - 474 -

II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 474 die sexuelle Moral der Nachkriegszeit und die Kriegsschuld erschwerten auch in ihrem Fall eine Beschäftigung mit den traumatischen Erlebnissen. Vergewaltigungen ließen sich zwar verschweigen, aber häufig – wie auch im Fall von Rosa K. – nicht vertuschen. Schließlich fand ihr Mann ein Kind – ein sogenanntes „Malheur“ – vor, das nicht von ihm sein konnte. Mehrfach hebt sie hervor: „Jetzt war ich nur angst und bang. Er hat ja [von dem Kind] nichts gewusst. Und was für ein Malheur danach [nach der Vergewaltigung] ist, das hat man erst nachher gesehen.“ Anscheinend befürchtete Rosa K., ihr Mann würde sie verstoßen oder wegen der „Schande“ ablehnen. In diesem Zusammenhang schiebt sie die Verantwortung für die Geburt des Kindes ih- rer Mutter zu. Offensichtlich hätte ihr Mann, der Stiefvater des Kindes, eine Abtreibung vorgezogen: „Meine Mutter war ja so viel religiös, dass sie nicht [abtreiben] lassen hat. Mein Mann hat das eh gewusst, dass viel mehr meine Mutter [dahinter war]. Das Kind kann ja nichts dafür.“26 Wie später noch dar- gestellt wird, hatte aber gerade die als Folge einer Vergewaltigung geborene Tochter, Anna E., ihr Leben lang unter der „Schuld“ zu leiden, ein „Russen- kind“ zu sein. Aus Sicht ihrer Umgebung personifizierte sie die militärische Niederlage und erinnerte als „Kind des Feindes“ ständig daran.27 Die zu Kriegsende und danach verübten Fälle sexueller Gewalt hatten weitreichende Folgen. Ungewollte Schwangerschaften gehörten ebenso dazu wie Selbstmorde oder die bedrohliche Ausbreitung von Geschlechtskrank- heiten. Jene Frauen, die sich gegen eine Abtreibung entschieden, hatten viel- fach unter den Reaktionen in ihrem unmittelbaren Umfeld zu leiden. Dabei handelte es sich allerdings sogar meist um jene Personen, die sie selbst nicht vor der sexuellen Gewalt schützen hatten können oder sie sogar aufgefordert hatten, „mitzugehen“. Mit Trost oder Mitleid seitens der heimgekehrten Ehe- männer oder der Gesellschaft war vielfach ebenfalls kaum zu rechnen. 1.2 Abtreibungen Nach § 144 der ab Juni 1945 wieder in Kraft getretenen Strafgesetzordnung waren Schwangerschaftsabbrüche prinzipiell verboten. In der bereits damals „nicht mehr zeitgemäßen Sprache des Strafgesetzbuches“, wie die Arbeiter- Zeitung betonte, hieß es dazu: „Eine Frauenperson, welche absichtlich was immer für eine Handlung unternimmt, wodurch die Abtreibung ihrer Lei- besfrucht verursacht oder ihre Entbindung auf solche Art, dass das Kind tot 26 Ebd. 27 Siehe dazu auch das Kapitel B.II.3.1 „Als Russenkind war ich das Letzte“ in diesem Band.
zurück zum  Buch Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955"
Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Stalins Soldaten in Österreich