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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 479 -
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1. Die Schattenseite 479 der Roten Armee zu verbreiten“.43 Daher zeigte man sich sehr besorgt über den engen Kontakt, den sowjetische Armeeangehörige zu österreichischen Frauen oder auch zu ehemaligen sowjetischen Zwangsarbeiterinnen pfleg- ten. Diese „riesigen, äußerst unterschiedlichen Menschenmassen“ bargen das Risiko diverser Infektionskrankheiten in sich, weswegen „alle notwendigen sanitär-prophylaktischen und anti-epidemischen Maßnahmen“ zu ergreifen waren, forderte etwa der Leiter des NKVD-Sanitätsdienstes der 3. Ukraini- schen Front im Juni 1945.44 Den Grund für den sprunghaften Anstieg der Infektionen sah die Ar- meeführung sowohl in der „weiten Verbreitung von venerischen Krank- heiten unter der örtlichen Bevölkerung und dem Fehlen eines organisierten Kampfes“ gegen diese Erkrankungen als auch in „einzelnen Fällen von Un- diszipliniertheit und Alkoholmissbrauch unter Soldaten und Offizieren“. Da- bei wertete sie die Infektion mit einer Geschlechtskrankheit ausdrücklich als „politisch-amoralischen“ Faktor, der die Kampfkraft der Armee schwächte. Eine gezielte Aufklärung der Armeeangehörigen war ebenso angesagt wie die Ergreifung „prophylaktischer Maßnahmen“ seitens der einzelnen Sani- tätsabteilungen.45 Innerhalb der Armee wurden eigene Regimenter zusam- mengestellt, die ausschließlich aus infizierten Soldaten bestanden und von den übrigen Truppen isoliert wurden.46 Die „Schuld“ für den hohen Prozentsatz an mit Geschlechtskrankheiten infizierten Soldaten lag – so die weitverbreitete Meinung – bei den Frauen, nicht bei den Soldaten selbst. Bezeichnend war daher aus Sicht des NKVD 43 RGVA, F. 32900, op. 1, d. 220, S. 162, Sondermitteilung des stv. Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Oberst Semenenko, und des stv. Leiters des Stabes, Oberstleutnant Počuev, an den Militärrat der 3. Ukrainischen Front über die Infizierung von Zwangsarbeiterinnen mit Geschlechtskrankheiten, 20.4.1945. 44 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 191, S. 109f., Anordnung des Leiters des Sanitätsdienstes der NKVD- Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Oberstleutnant Golovachin, an den Leiter des Sanitätsdienstes des 17. NKVD-Grenzregiments über sanitär-prophylaktische Maß- nahmen, 12.6.1945. 45 AM 4. GA, Bestand 4. Garde-Armee, Dok. Nr. 29, Befehl Nr. 0231 des Kommandanten der 4. Garde- Armee, Garde-Generaloberst Gusev, des Mitglieds des Militärrates der 4. Garde-Armee, Generalmajor Šepilov, und des Leiters des Stabes der 4. Garde-Armee, Garde-Generalmajor Fo- min, über Maßnahmen zur Bekämpfung venerischer Krankheiten in den Einheiten, 24.7.1945. Aus sowjetischer Sicht galten venerische Erkrankungen als ebenso „amoralisch“ wie Vergewaltigungen, Plünderungen, Alkoholexzesse und „Beziehungen zu Frauen“. Vgl. RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 51f., Bericht des stv. Leiters der Politabteilung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Mandrinin, über den politisch-moralischen Zustand und die Militärdisziplin im 1. Quartal 1946, 24.3.1946. 46 OHI, Konstantin Arcinovič. Durchgeführt von Sergej Dobrasko. Moskau 2.7.2003. Ähnlich verfuhr die sowjetische Militärführung auch in Deutschland. Vgl. Volker Koop, Besetzt. Sowjetische Besat- zungspolitik in Deutschland. Berlin 2008, S. 132.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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