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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 482 harsch durch. So zwang man Frauen im französisch besetzten Vorarlberg auf bloßen Verdacht hin oder als Folge von Denunziationen, Gesundheitsämter aufzusuchen.54 Die sowjetische Besatzungsmacht versuchte, das Problem über strengere Kontrollen, einschlägige Befehle und andere Maßnahmen in den Griff zu bekommen. 1.3.1 Sowjetische Gegenmaßnahmen Die Infektionen machten weder vor Offizieren noch vor NKVD-Truppen oder selbst Parteimitgliedern halt. Anfang Mai 1945 hatten die Erkrankungen bereits ein derartiges Ausmaß erreicht, dass sich der Chef der NKVD-Truppen in Ös- terreich zum Handeln genötigt sah. Detailliert ordnete er an, welche Schritte zu setzen waren. Denn offensichtlich hatten die vorausgegangenen Befehle, darunter die an die Fronttruppen erteilte Weisung Nr. 28 über die Behandlung von Syphilis, nicht gefruchtet: „Ungeachtet einer ganzen Reihe an herausge- gebenen Richtlinien, Instruktionen und Rundschreiben sowie der unter dem Mannschaftsstand unserer Truppen durchgeführten Aufklärungsarbeit zur Warnung vor Geschlechtskrankheiten liegt die Erkrankungsrate nach wie vor auf einem überaus hohen Niveau“,55 mahnte Generalmajor Pavlov einleitend. Überraschend explizit wies der Chef der in Österreich stationierten NKVD- Truppen auf die sensible Problematik hin: Die Qualität der medizinischen Untersuchungen sei niedrig, weswegen Syphilis vielfach zu spät diagnosti- ziert werde. Weiters kämen „Maßnahmen zur Selbstprophylaxe (Präservati- ve u. Ä.)“ nur unzureichend zur Anwendung. Auch sei es um die „politische Aufklärungsarbeit betreffend die Hygiene innerhalb des Mannschaftsstandes“ schlecht bestellt. Und die „Suche nach den Urhebern der Ansteckung und die Untersuchung derselben“ wären „nicht zufriedenstellend“, kritisierte Pavlov.56 Letzteres lässt besonders aufhorchen, klingt hier doch implizit die Ausfor- schung – österreichischer – „Sündenböcke“ an. Hier konkretisierte Pavlov, dass „Kranke aus den Reihen der örtlichen Bevölkerung […] mit einer abgegebenen Verpflichtungserklärung über die Einstellung ihres Sexuallebens bis zu ihrer Heilung über die lokalen Organe an örtliche Ärzte zu übergeben“ seien. Eine 54 Ingrid Bauer – Renate Huber, Sexual Encounters across (Former) Enemy Borderlines, in: Günter Bischof – Anton Pelinka – Dagmar Herzog (Hg.), Sexuality in Austria. Contemporary Austrian Stu- dies. Bd. 15. New Brunswick – New Jersey 2007, S. 65–101, hier: S. 84. 55 RGVA, F. 32904, op. 1, d. 191, S. 84–86, hier: S. 84, Anordnung des Chefs der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Generalmajor Pavlov, und des Leiters des Sa- nitätsdienstes, Oberstleutnant Golovachin, an den Kommandanten des 17. NKVD-Grenzregiments über den Umgang mit Geschlechtskrankheiten, 10.5.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 34. 56 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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