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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 487 -
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1. Die Schattenseite 487 davon ausgehen, dass ein überdurchschnittlich hoher Prozentsatz dieser Frauen an verschiedenen Formen von durch Geschlechtsverkehr übertrage- nen Krankheiten litt und so zu deren Verbreitung beitrug. Einige von ihnen wurden, nachdem sie sowjetische Besatzungssoldaten infiziert hatten, nicht nur wegen „antisowjetischer Spionage“, sondern auch wegen „Sabotage“ zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. 1.4 Die Honigfalle: Spionage, Sabotage und Verhaftung Sexuelle Beziehungen zwischen Besatzungssoldaten und ausländischen Frauen waren noch aus einem weiteren Grund aus der Sicht des Kremls un- erwünscht: wegen der Gefahr antisowjetischer Spionage.71 Die betroffenen Frauen traf der Vorwurf, das „Bettgeflüster“ im Auftrag westlicher Nachrich- tendienste zu nutzen, um geheime Informationen in Erfahrung zu bringen oder sowjetische Armeeangehörige zum Desertieren zu bewegen. So kriti- sierte die Politische Abteilung der NKVD-Truppen Verhältnisse sowjetischer Offiziere mit ausländischen Frauen als „politisch folgenschwer“, die betrof- fenen Männer als „moralisch instabil“. Moskau schätzte dabei die Österrei- cherinnen als hohen Risikofaktor ein, da sie den „verzauberten“ Rotarmisten über ihre „intimen Verhältnisse“ Militär- und Staatsgeheimnisse entlocken wollten.72 Man befürchtete offensichtlich, dass ausländische Frauen Armeeangehö- rige umgarnten und sie nach dem Vorbild der berühmten Spionin des Ers- ten Weltkrieges, Mata Hari,73 in die „Venusfalle“ tappen ließen.74 Auch die Briten hatten ihre Offiziere während des Zweiten Weltkrieges mit dem Pla- kat „Keep mum, she’s not so dumb! Careless talk costs lives“ vor attraktiven Frauen gewarnt, die nicht so „dumm“ seien, wie die „unvorsichtigen“ Män- cherung und Überlebensarbeit in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Wien, in: L’Homme. Zeit- schrift für feministische Geschichtswissenschaft. 2. Jg. 1991, Heft 1, S. 77–105, hier: S. 103. 71 Vgl. dazu: Stelzl-Marx, Freier und Befreier, S. 432–434. Zur Situation von Wien als Spionagedreh- scheibe im Kalten Krieg vgl. Erwin A. Schmidl (Hg.), Österreich im frühen Kalten Krieg 1945–1958. Spione, Partisanen, Kriegspläne. Wien – Köln – Weimar 2000. 72 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 11, S. 158f., Direktive Nr. 00811 des Leiters der Politischen Abteilung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front über eine Verbesserung der erzieherischen Arbeit innerhalb des Mannschaftsstandes, 4.7.1945. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 64. 73 Erik Neveu, L’Espionne, in: Fabrice Virgili – Daniéle Voldman (Hg.), Amours, guerres et sexualité 1914–1945. Paris 2007, S. 86f. 74 Diese beinahe „klassische“ Form der Spionage findet offensichtlich auch heute noch Anwendung. Vgl. Burkhard Bischof, Frau Won, die koreanische Mata Hari. Spionage. Eine attraktive Nordkorea- nerin ließ südkoreanische Offiziere in die „Venusfalle“ tappen, in: Die Presse, 5.9.2008, S. 8.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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