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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 491 -
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1. Die Schattenseite 491 mayer wird von den Russen Geheimprostitution vorgeworfen, was nach rus- sischer Auffassung Grund genug ist, sie nach Sibirien zu schicken.“89 Gemäß der Zeitung galt Gleiches für Liebesbeziehungen: „Gertrude Hirsch, die aus Bruck an der Leitha stammte, wurde wegen eines Verhältnisses mit einem Russen verschickt.“90 Ähnlich gestaltete sich das Schicksal einer Wiener Bordellbesitzerin, deren Etablissement in erster Linie sowjetische Armeeangehörige frequentierten. Zu ihrem Verhängnis sollte der Umstand werden, dass die Frau – neben den sowjetischen Klienten – auch eine Verbindung zu einem US-Offizier unter- hielt. Im Mai 1947 verurteilte sie ein sowjetisches Militärtribunal nach Artikel 58-6 des Strafgesetzbuches der RSFSR wegen Spionage zu 25 Jahren GULAG- Besserungsarbeitslager.91 Doch sie blieb keine Ausnahme. Die Sowjets verhafteten rund ein Jahr spä- ter eine im selben Bordell beschäftigte Prostituierte, genannt „der Tiger“, und verurteilten die Frau im Juli 1948 gleichfalls wegen Spionage zu 15 Jahren ITL.92 Auch hier dürften – über den Kontakt zu sowjetischen Besatzungssol- daten – ausgetauschte Informationen zur Festnahme geführt haben. Eventu- ell spielte ihre, von mehreren österreichischen zivilverurteilten Frauen in der Sowjetunion bestätigte, venerische Erkrankung eine zusätzliche Rolle. Auf jeden Fall ließ diese Infektion die übrigen Zelleninsassen im Gefängnis von Vladimir – allen voran Margarethe Ottillinger93 – einen Hungerstreik organi- sieren, um die Verlegung der Prostituierten in eine andere Zelle zu erzwin- gen.94 Die Infektion zweier sowjetischer Besatzungssoldaten mit einer Ge- schlechtskrankheit führte anscheinend im Fall von F. P. zu ihrer Verhaftung im Dezember 1950. Die Wienerin wurde nämlich nicht nur wegen Spionage, sondern auch nach § 58-14 des Strafgesetzbuches der RSFSR („Gegenrevolu- tionäre Sabotage“) zu 25 Jahren Besserungsarbeitslager verurteilt.95 Selbst das österreichische Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten nahm im 89 Fünf Zivilgefangene aus Rußland heimgekehrt. Aber achthundert noch dort – Nachricht von Frau Dr. Ottillinger, in: Arbeiter-Zeitung, 28.2.1953, S. 2. 90 Ebd. 91 AdBIK, Datenbank verurteilter österreichischer Zivilisten in der UdSSR, Ziv-SU-107. 92 Ebd.; ÖBM, Personalakte H. W. 93 Zur Verurteilung von Margarethe Ottillinger, der Leiterin der Planungssektion im österreichischen Bundesministerium für Vermögenssicherung, siehe insbesondere Karner (Hg.), Geheime Akten des KGB; Stefan Karner, Zur Politik der sowjetischen Besatzungs- und Gewahrsamsmacht. Das Fallbei- spiel Margarethe Ottillinger, in: Alfred Ableitinger – Siegfried Beer – Eduard G. Staudinger (Hg.), Österreich unter alliierter Besatzung 1945–1955. Wien – Köln – Graz 1998, S. 401–431. 94 Renata Stelzer, Russland-Aufzeichnungen. Bd. II. Nach dem Urteil. Unveröffentlichtes Manuskript. O. O. o. J., S. 52. 95 GVP, Nr. 5uv–1133–97, Rehabilitierungsbescheid F. P., 3.10.1997.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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