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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 492 -
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 492 November 1952 „die Infizierung zweier Angehöriger der sowjetischen Besat- zungsmacht mit Geschlechtskrankheiten“96 als Grund für die erfolgte Fest- nahme an. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen der Ansteckung der Armeeangehörigen und der Verurteilung wegen „gegenrevolutionärer Sabo- tage“ lässt sich zudem dadurch untermauern, dass die Österreicherin selbst den Vorwurf der Spionage stets vehement bestritt.97 In anderen Fällen ist eine Kooperation mit westlichen Geheimdiensten allerdings nachweisbar. Einige der Frauen wurden selbst Opfer der „Honigfalle“, die tödlich zuschnappen konnte. 1.4.2 Zum Tod verurteilte Österreicherinnen Mehrere Österreicherinnen, die Liebesbeziehungen mit sowjetischen Besat- zungssoldaten eingegangen waren, wurden vom Militärtribunal der CGV wegen des Vorwurfs der Spionage zum Tod verurteilt und hingerichtet. Tat- sächlich dürften sie für westliche Geheimdienste eine besondere Zielgruppe gewesen sein. Ihre Anwerbung für den britischen Nachrichtendienst oder auch für die Spionageabwehrtruppe der US-Armee in Österreich, das soge- nannte „Counter Intelligence Corps“ (CIC), erfolgte meist über in Österreich wohnhafte Mittelspersonen. So erhielt etwa Johann Birner den Auftrag, ein- heimische Frauen mit Liebesbeziehungen zu sowjetischen Militärangehöri- gen als britische „Agentinnen“ anzuwerben.98 Der Wiener betraute seinerseits eine bei der sowjetischen Besatzungsmacht in Baden beschäftigte Frau, Rosa- lia Dederichs, mit dieser heiklen Aufgabe. Dederichs, die am 12. Jänner 1951 wegen antisowjetischer Spionage zum Tod verurteilt und schließlich am 5. Mai 1951 in Moskau erschossen wurde, erläuterte ihre Rolle in ihrem Gna- dengesuch an das Präsidium des Obersten Sowjets: „[Im] Oktober 1949 frug er [Johann Birner] mich, ob ich ein Mädchen oder eine Frau kenne, die Be- kanntschaft mit sowjetischen Offizieren oder Soldaten hätte, und ich brachte ihm Viktoria Lohmar.“99 96 ÖBM, Personalakte F. P. 97 AdBIK, Brief von F. K. an das BIK, St. Pölten 1997. 98 GARF, F. 7523, op. 76, d. 15, S. 134–138, hier: S. 136, Stellungnahme des Obersten Gerichts zu den Gnadengesuchen von Johann Birner, Rosalia Dederichs, Michael Maczejka und Johanna Vozelka, 6.3.1951. Siehe dazu und zum Folgenden auch: Stelzl-Marx, Verschleppt und erschossen, S. 41–43; Petschnigg, Stimmen aus der Todeszelle, S. 341–343, 567–569. 99 GARF, F. 7523, op. 76, d. 15, S. 148–150, hier: S. 149f., Gnadengesuch von Rosalia Dederichs, 17.1.1951.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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