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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. Liebesbeziehungen und ihre Folgen Sowjetische Soldaten waren gerade zu Kriegsende und in der ersten Nach- kriegszeit in Ostösterreich beinahe omnipräsent. Als „Sieger“ dominierten sie das öffentliche Leben, drangen in die Privatsphäre ein, sahen – zumindest zu einem gewissen Teil – Frauen als ihre „Beute“, wie die zahlreichen Verge- waltigungen vor allem in der ersten Besatzungszeit zeigen. Außerdem gab es jede Form von professioneller und halbprofessioneller Prostitution, wobei sich vor dem Hintergrund der materiellen Asymmetrien zwischen Soldaten und einheimischen Frauen die Grenzen zwischen Freiwilligkeit und Zwang nicht immer eindeutig ziehen lassen. Parallel zu dieser dunklen Seite des Be- satzungsalltags entwickelte sich eine große Bandbreite erotischer Annäherun- gen zwischen Österreicherinnen und sowjetischen Armeeangehörigen, die von Flirts über Liebesbeziehungen für die Dauer der Stationierung – und in Ausnahmefällen – bis hin zu Eheschließungen reichte.111 Sexuelle Beziehungen zwischen einheimischen Frauen und Besatzungs- soldaten bildeten in ganz Österreich ein signifikantes Phänomen der Nach- kriegszeit mit höchst unterschiedlichen Reglements: Am freizügigsten gingen französische Behörden mit dieser Begleiterscheinung der Truppenstationie- rung im Ausland um. Sie betrachteten – im Unterschied zu den amerikani- schen und britischen Besatzern – Österreich als „befreite“ und nicht als „be- siegte“ Nation. Somit galt von Anfang an kein „Fraternisierungsverbot“. Hingegen erließ das angloamerikanische Hauptquartier am 13. Mai 1945 ein striktes „Fraternisierungsverbot“, das es im Sommer 1945 lockerte und schließlich im Herbst 1945 aufhob. Auch Eheschließungen, die zunächst vom Sicherheitsstandpunkt her als „äußert gefährlich“ gegolten hatten und als die „intimste und extremste Form der Fraternisierung“ verboten gewesen waren, wurden später erlaubt.112 Zahlreiche Frauen wanderten folglich nach Frank- reich, Großbritannien oder in die USA aus; ehemalige Besatzungsangehörige dieser Nationen blieben aber auch für immer in Österreich. 111 Stelzl-Marx, Freier und Befreier, S. 422f. Vergleichbar war die Situation in der DDR: Hier waren zwar seit 1953 deutsch-sowjetische Eheschließungen de jure möglich. De facto wurden sie aber bis auf wenige Ausnahmen bis zum Ende der DDR verhindert. Vgl. Satjukow, Besatzer, S. 296. Die 1953 erfolgte Aufhebung des Verbots von Eheschließungen zwischen sowjetischen und ausländi- schen Bürgern dürfte auch für Österreich gegolten haben. Vgl. Vitalij Nikoľskij, GRU v gody Velikoj otečestvennoj vojny. Moskau 2005, S. 240. 112 Bauer – Huber, Sexual Encounters across (Former) Enemy Borderlines, S. 69f. In Deutschland wur- de das Heiratsverbot zwischen deutschen Frauen und amerikanischen GIs im Dezember 1946, also mehr als ein Jahr nach Ende des Fraternisierungsverbotes, aufgehoben. Vgl. Lee, Kinder amerika- nischer Soldaten in Europa, S. 26. Vgl. dazu auch Sabine Lee, The Forgotten Legacy of the Second World War: GI children in post-war Britain and Germany, in: Contemporary European History. Bd. 20. 2011/2, S. 157–182.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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