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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 504 Volksoper.“132 Wann und wo sie sich genau kennenlernten, weiß Walla-Grom nicht mehr. Doch sie erinnert sich, dass sie sich sofort zu ihm hingezogen fühlte.133 Politik und Ideologie spielten bei diesen Beziehungen hingegen keine zentrale Rolle. Sowjetische Offiziere wirkten auf Frauen aus „linkem Milieu“ ebenso attraktiv wie auf Nicht-Kommunistinnen.134 In diesem Zusammen- hang dominierten eher die vorab erwähnten Kriterien wie eine ökonomische Notlage oder die private Ungebundenheit seitens der Österreicherinnen. Plausibel erscheint jedoch, dass Frauen aus kommunistischem oder sozialde- mokratischem Milieu besondere Probleme damit hatten, ihr positives „Rus- senbild“ mit realen negativen Erfahrungen durch sowjetische Besatzungssol- daten in Einklang zu bringen.135 2.1.2 Sicht der Besatzer Die Gründe, weswegen Besatzungssoldaten österreichische Frauen attraktiv fanden, waren vielfach nicht mit deren Motiven ident. Bei Ersteren standen hausfrauliche, kommunikative und sexuelle „Dienste“ im Vordergrund.136 So erinnert sich eine Österreicherin an die flüchtige Bekanntschaft mit einem sowjetischen Major, aus der – völlig ungeplant – eine Tochter entstand: „Wie soll ich denn das sagen, kurz und bündig. Ich habe zuerst bei einer russischen Familie gearbeitet, ja, die sind dann bald nach Russland zurückgegangen, und durch Zufall bin ich dann zu diesem einzelnen Offizier gekommen, der jemanden gesucht hat zum Aufräumen. Ich war aber nur ganz kurz bei ihm, einen Tag zum Aufräumen. Am nächsten Tag hat’s schon geheißen, alles zu- sammenpacken, er darf wieder zurück nach Russland. Ganz kurz nur.“137 Für die Armeeangehörigen war es verlockend, Bereiche der Hausarbeit wie Kochen, Waschen, Bügeln oder Saubermachen an österreichische Frauen 132 Ingeborg Walla-Grom, Brief an die Russische Botschaft Wien. Wien 2004, S. 4f. Zit. nach: Stelzl- Marx, Freier und Befreier, S. 435. Vgl. dazu auch: Ingeborg Valla-Grom, Zdrastvyjte, tovarišč! Vo- spominanija žitel’nicy Veny o vojne, in: Novyj Venskij Žurnal. Nr. 5/2004, S. 18–21. 133 Josef Barth, „Iwan war meine erste Liebe“, in: Profil extra (1945–1955. Vom Kriegsende zum Staats- vertrag), 13.5.2008, S. 82–84. 134 Die These, dass sowjetische Besatzungssoldaten vor allem auf Frauen aus dem „linken“ Milieu at- traktiv wirkten, kann nicht bestätigt werden. Vgl. Bandhauer-Schöffmann – Hornung, Der Topos des sowjetischen Soldaten, S. 43. 135 Irene Bandhauer-Schöffmann – Ela Hornung, Von Mythen und Trümmern. Oral History-Interviews mit Frauen zum Alltag im Nachkriegs-Wien, in: Irene Bandhauer-Schöffmann – Ela Hornung (Hg.), Wiederaufbau weiblich. Dokumentation der Tagung „Frauen in der österreichischen und deut- schen Nachkriegszeit“. Wien – Salzburg 1992, S. 24–54. 136 Bauer – Huber, Sexual Encounters across (Former) Enemy Borderlines, S. 77f. 137 OHI, Christine St. Durchgeführt von Barbara Stelzl-Marx. O. O. 15.6.2007.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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