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2. Liebesbeziehungen und ihre Folgen 505
auszulagern. Üblicherweise bezahlten sie derartige Arbeiten mit Nahrungs-
mitteln, Zigaretten oder anderen Mangelwaren. Aleksandr Krečet beschreibt
dies in seinen Erinnerungen an Österreich: „Ich war in der Wohnung der Na-
mensvettern des Industriellen Tiess [Thyssen] untergebracht. Edith Tiess, die
Tochter des Hausherrn, erhielt den Auftrag, sich um mich zu kümmern, mich
zu bedienen. Sie erfüllte ihre Pflichten so gut sie konnte. Die Mädchen, bei de-
nen Offiziere untergebracht waren, wurden von allen beneidet. Irgendwie fiel
immer etwas für die Hausleute ab. Und sie waren vor diversen Plünderern
sicher.“138 Hier betont der damalige Hauptmann in erster Linie seine Rolle als
Schutzherr und Ernährer, die für die österreichische Familie so große Vorteile
brachte, dass sie „von allen“ beneidet wurde. Den Auftrag an die Tochter des
Hauses, sich um den sowjetischen Offizier zu kümmern, gab demnach ihr
Vater. Seinen persönlichen Vorteil thematisiert Krečet hingegen nicht.
Unerwähnt bleibt zudem, dass sich mit der damals 18-Jährigen eine einjäh-
rige Liebesbeziehung entwickelte, die durch seine Versetzung ein jähes Ende
fand. Krečets Sohn aus späterer Ehe mit einer Russin erklärt, weswegen über
diesen Aspekt in den Erinnerungen seines Vaters nichts zu finden ist: „Klar
ist, warum über Edith so wenig in seinen Erinnerungen steht – unsere Mutter
war immer sehr eifersüchtig.“139
138 Aleksandr Krečet, Vospominanija. Unveröffentlichtes Manuskript. Rostov o. J., S. 23.
139 Igor’ Krečet, Elektronische Nachricht an Barbara Stelzl-Marx. 5.4.2008.
Abb. 69: Aleksandr Krečet ging mit der
Tochter seines österreichischen Quartier-
gebers in Ternitz eine einjährige Liebesbe-
ziehung ein. Nach seiner Rückkehr in die
Sowjetunion hielt er diese Liaison geheim.
(Quelle: Sammlung Stelzl-Marx, Bestand
Nemetz)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918