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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 518 men, erkannten sie erst später.“182 Die materiellen Vorteile dieser Beziehung bzw. Arbeit, so seine Einschätzung, hätten die Nachbarn zumindest anfangs nicht zu schätzen gewusst. Die als Blamage empfundene Tatsache, dass seine Mutter „Geliebte des Ivan“ gewesen war, versuchte man in der Familie totzu- schweigen. Insbesondere sein Großvater mütterlicherseits, der 1948 aus sow- jetischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, verurteilte die Verbindung. „Der Russe war der Feind“, hieß es in der Familie. Anton M. sollte erst 2004, mit knapp 60 Jahren, erfahren, dass sein Vater ein sowjetischer Besatzungs- soldat war.183 2.3 Reaktionen von sowjetischer Seite Bereits Odysseus wusste, dass eine Verbrüderung zwischen den eigenen Truppen und der einheimischen Bevölkerung ein Kommandoproblem dar- stellte. Im Laufe der Jahrtausende änderte sich wenig an dieser Einschät- zung.184 Gerade vor dem Hintergrund des Kalten Krieges galten sexuelle Beziehungen zwischen sowjetischen Armeeangehörigen und Ausländerin- nen aus Sicht Moskaus als verwerflich. Die Frauen stufte man pauschal als „politisch fragwürdig“ ein, weswegen intime Kontakte zwischen ihnen und sowjetischen Offizieren und Rotarmisten unerwünscht waren.185 Sogenann- te „Lebensgemeinschaften mit politisch fragwürdigen Frauen“ fielen in die- selbe Kategorie „amoralischer Erscheinungen“ wie Vergewaltigung, Mord, Körperverletzung, Plünderung, Alkoholismus oder die Verursachung von Verkehrsunfällen.186 Den in Österreich stationierten sowjetischen Militäran- gehörigen waren Eheschließungen mit ausländischen Frauen ausdrücklich untersagt. Den Politoffizieren fiel dabei die Aufgabe zu, die Offiziere über die „Unzweckmäßigkeit“ derartiger Vermählungen aufzuklären.187 Auch wies 182 Anton M., Schreiben an das BIK. Wien 24.6.2005. 183 Ebd. 184 Lee, Kinder amerikanischer Soldaten in Europa, S. 19. 185 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 218–264, hier: S. 250, Bericht des Kommandeurs des 336. NKVD- Grenzregiments, Oberstleutnant Martynov, und des Leiters der Politabteilung des Regiments, Ma- jor Čurkin, an den Leiter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Oberst Nanejšvili, über den Dienst, die parteipolitische Arbeit, den politisch- moralischen Zustand und die Disziplin des Regiments im 2. Quartal 1945 [Juni 1945]. 186 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 329–339, hier: S. 336, Bericht des Kommandeurs des 336. NKVD- Grenzregiments, Oberstleutnant Martynov, und des Leiters der Politabteilung, Major Čurkin, über den militärischen Einsatz, den politisch-moralischen Zustand und die militärische Disziplin der Truppen von November 1944 bis August 1945, 23.8.1945. 187 CAMO, F. 3415, op. 1, d. 102, S. 24, Befehl des Leiters der Politabteilung der 6. Garde-Panzerarmee, Garde-Leutnant Filjaškin, an die Leiter der Politabteilungen über das Verbot von Eheschließungen mit Frauen ausländischer Staaten, 11.4.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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