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2. Liebesbeziehungen und ihre Folgen 519
man – freilich häufig umsonst – Offiziere und Soldaten darauf hin, dass Ver-
bindungen mit Ausländerinnen generell „unerwünscht“ waren.188
„Es war verboten, doch trotzdem gab es sie [Liebesbeziehungen]. Aber
sehr viele Soldaten und Offiziere wandten sich an die Truppenführung, um
eine österreichische Frau mitzunehmen, zu heiraten. Aber das war damals
nicht üblich, wissen Sie. Es gab bei uns so einen Vorhang, es war nicht er-
laubt. Man sagte ihnen: ‚Denke nicht, warte nicht, bis man dich in eine Straf-
division versetzt oder in ein Gefängnis mit Schande.‘ Es war verboten, nicht
erlaubt, aber trotzdem gab es diese Verbindungen und Kinder wurden ge-
boren und sogar von Offizieren und höheren und all das gab es. Das war das
Leben. Das war die Jugend“,189 erinnert sich Valentina Kurilina.
Die skeptische Haltung der sowjetischen Seite gibt auch der damalige Agi-
tator der Politabteilung, Ivan Roščin, wieder, der in seiner Rolle als Vorbild
für die Truppen angeblich keine Beziehung einging: „Die Mädchen, die Ös-
terreicherinnen, [mochten] uns sehr. Sie umarmten und küssten uns öffent-
lich. Nun, wir fürchteten uns natürlich vor dieser Liebe. So. Warum fürch-
teten wir uns? Es gab damals Spione. Aus solchen Überlegungen heraus.
Annäherung. Obwohl es natürlich Fälle gab, dass sich unsere, einige, mit der
188 CAMO, F. 3415, op. 1, d. 102, S. 35, Befehl des stv. Leiters der Politabteilung der Front, Oberst Katu-
gin, an den Leiter der Politabteilung des 18. Panzerkorps, Garde-Oberst Šeleg, über das Verbot von
Verbindungen der Militärangehörigen mit Frauen ausländischer Staaten, 28.4.1945.
189 OHI, Kurilina. Durchgeführt von Stelzl-Marx. Abb. 72: Der erste Stadtkommandant von
Leoben, Šurupov, konnte seine österrei-
chische Freundin heiraten und mit ihr in der
Ukraine leben. Er stellte somit eine große
Ausnahme dar. (Quelle: AdBIK, Sammlung
Šurupova)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918