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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 520 Liebe spielten. Aber das wurde nicht empfohlen. Und ich – umso mehr. Ich war ja als Kommunist dort! So. Ich musste den anderen ein Beispiel tadello- sen Verhaltens geben.“190 Der Kreml fürchtete Ausländerinnen als „epidemiologische Waffe“ in den Händen des „Feindes“, die über die Infektion mit Geschlechtskrank- heiten Moral und Kampfkraft sowjetischer Militärangehöriger schwächen würden. Man sah die Frauen aber auch als gefährliche Werkzeuge westli- cher Geheimdienste, da sie „undercover“ Militär- und Staatsgeheimnisse ausspionieren sowie Rotarmisten zum Überlaufen bewegen konnten.191 Ein Oberleutnant der 4. Garde-Armee wurde etwa zu fünf Tagen Hausarrest mit einer Geldstrafe verurteilt, da er im Beisein einer „unbefugten“ Frau eine Dienstbesprechung durchgeführt und mit ihr die Unterabteilungen der Divi- sion einen Tag lang aufgesucht hatte. Sein Verhalten wertete man als äußerst „unvorsichtig“.192 Doch auch ohne Spionageabsicht verführten die Frauen – so die interne Einschätzung – sowjetische Armeeangehörige zu schwerwiegenden Verge- hen wie Desertion und Vaterlandsverrat, etwa indem sie ihnen Unterschlupf gewährten oder sie ermunterten, gemeinsam in den Westen zu emigrieren. So beobachtete der NKVD im Sommer 1945 „zahlreiche Fälle, in denen Angehö- rige der Roten Armee aus ihren Einheiten desertieren, in Österreich wohnhaft bleiben und österreichische Frauen heiraten“ würden.193 Ein besonders hoher Anteil von Fällen unerlaubten Entfernens von der Truppe ging laut NKVD ebenfalls auf Verbindungen zu einheimischen Frauen zurück.194 Auch jene Rotarmisten, die aus Militärspitälern geflohen und ihre Dokumente entspre- chend gefälscht hatten, unterhielten demnach Verbindungen zu österreichi- schen Frauen, bei denen sie eine Zeit lang lebten.195 190 OHI, Roščin. 191 Siehe dazu auch das Kapitel B.II.1.4 „Die Honigfalle: Spionage, Sabotage und Verhaftung“ in die- sem Band. 192 AM 4. GA, Bestand 4. Garde-Armee, Dok. Nr. 26, Befehl Nr. 0186 des Leiters des Stabes der 4. Garde-Armee, Garde-Generalmajor Fomin, über Vorfälle des Verlusts an Vorsichtigkeit und der Preisgabe des Militärgeheimnisses, 4.7.1945. 193 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 13, S. 1f., Operative Tagesmeldung des Kommandanten des 336. Grenz- regiments der NKVD-Truppen, Oberstleutnant Martynov, und des Stabschefs, Major Buškov, an den Chef der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, 25.7.1945. 194 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 173–178, hier: S. 176, Bericht des Leiters der MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Zimin-Kovalev, und des stv. Leiters der Politabteilung, Oberstleutnant Gončarev, über den politisch-moralischen Zustand der Truppen, 26.7.1946. 195 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 13, S. 214f., Operative Tagesmeldung Nr. 00276 des Kommandeurs des 336. NKVD-Grenzregiments, Oberstleutnant Martynov, und des Bevollmächtigten des Stabschefs, Hauptmann Kasavčenko, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV und den Militärrat der 4. Garde-Armee, 4.10.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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