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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. Liebesbeziehungen und ihre Folgen 521 In Bruck an der Leitha etwa organisierten sich Militärangehörige während einer Abkommandierung ohne Rücksprache mit dem Militärkommandan- ten selbst ihre Unterkünfte, „lernten örtliche Frauen kennen, veranstalteten Trinkgelage und lebten so einige Zeit in der Stadt, indem sie selbstständig ihre Daten für die Abkommandierung ausbesserten“.196 Andere wiederum schleusten Österreicherinnen in die Rote Armee ein, um diese an einen neu- en Stationierungsort mitnehmen zu können. Anfang Juli 1945 wurde an der Seite eines sowjetischen Hauptmannes eine „unbekannte Frau in der Uniform einer Militärangehörigen der Roten Armee“ festgenommen, die sich „im Pro- zess der Filtration als Österreicherin entpuppte“. Die Kommandeure einzel- ner Einheiten forderte man daraufhin auf, diese Möglichkeit bei der Organi- sation des Dienstes in Betracht zu ziehen.197 Unterdessen zeigten sich in Ostösterreich stationierte sowjetische Besat- zungssoldaten von den politisch-moralischen Überlegungen ihrer Vorgesetz- ten vielfach unbeeindruckt, zumal einzelne Offiziere und sogar Politoffiziere selbst kein leuchtendes Vorbild abgaben, mit „unbekannten, politisch frag- würdigen Frauen zusammenlebten“ und – wie etwa der Sekretär der Partei- kommission und der Propagandainstruktor des 25. NKVD-Grenzregiments – „als Resultat so einer Beziehung“ an Gonorrhö erkrankten. Einige ließen sich mit Österreicherinnen fotografieren, schickten ihnen danach die Fotos zu und versprachen, sie zu heiraten und in die Sowjetunion zu holen, „wobei sie die politischen Folgen eines solchen Handelns gänzlich außer Acht“ lie- ßen, kritisierte der NKVD.198 Solche Fälle „von Fotoaufnahmen bei privaten Fotografen“ sollten daher vollkommen „liquidiert“ werden.199 Zumindest auf dem Papier galt es, „geschlechtliche Freizügigkeit“ nicht nur „durch Maß- nahmen administrativen Charakters, sondern auch durch eine Einflussnahme 196 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 13, S. 173f., Operative Tagesmeldung Nr. 00264 des Kommandeurs des 336. NKVD-Grenzregiments, Oberstleutnant Martynov, und des Bevollmächtigten des Stabschefs, Hauptmann Kasavčenko, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV und den Militärrat der 4. Garde-Armee, 20.9.1945. 197 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 106, S. 15, Meldung des stv. Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Oberst Semenenko, an die Kommandeure des 17., 25., 91. und 14. Grenzregiments über die Einschleusung österreichischer Frauen, 11.7.1945. 198 RGVA, F. 32903, op. 1, d. 345, S. 144–148, hier: S. 144, Anordnung des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der Südlichen Gruppe der Streitkräfte, Generalmajor Pavlov, und des stv. Leiters der Politabteilung, Oberstleutnant Bondarenko, an die Einheitskommandanten und die Leiter der Politabteilungen zur Disziplinierung der Angehörigen der NKVD-Grenzregimenter, 13.8.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 129. 199 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 218–264, hier: S. 250, Bericht des Kommandeurs des 336. NKVD- Grenzregiments, Martynov, und des Leiters der Politabteilung des Regiments, Čurkin, an den Lei- ter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Oberst Nanejšvili, über den Dienst, die parteipolitische Arbeit, den politisch-moralischen Zustand und die Disziplin des Regiments im 2. Quartal 1945 [Juni 1945].
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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