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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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3. Besatzungskinder 531 fach von den Schlechten, du bist einfach schlecht. Und fertig ist das, nicht!“ Selbst heute noch spürt sie eine Benachteiligung. Beispielsweise betreute sie gemeinsam mit einer zweiten Frau die Dorfkapelle, wurde allerdings vor hö- heren Feiertagen bei der Vorbereitung übergangen: „Doch wenn was war, haben sie immer die andere gefragt. Als ob ich nicht gut genug wäre.“238 In ähnlicher Weise verspürte auch die 1948 geborene Renate M. ein mit Schande behaftetes Gefühl, „anders“ zu sein. Bis heute kämpft sie, wie wohl viele der Betroffenen, mit den Folgen ihrer Vergangenheit als Besatzungs- kind: „Ich wusste wohl vage, dass es einen Krieg gab und die Russen, die gefürchtet waren, unser Gebiet besetzt hatten, also sah ich es als etwas Böses/ Minderwertiges an, dass ich das Kind eines russischen Soldaten war. Ich habe es nie gewagt, meine Pflegeeltern bzw. meine Mutter danach zu fragen. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich irgendwie anders war und von den Leuten auch so betrachtet wurde, und habe das schweigend hingenommen.“239 Das erste Mal wurde sie im Alter von dreieinhalb oder vier Jahren damit konfrontiert, als ihr Stiefvater während eines Wutanfalls das Wort „Russen- mensch“ „so durch den Raum brüllte“. Rückblickend meint sie dazu: „Und das hat mich irgendwie so völlig erschlagen, dieses Wort. Ich hab das nicht zuordnen können. Ich hab ja nicht einmal gewusst, wie wird ein Mensch ge- 238 Ebd. 239 Renate M., Elektronische Nachricht an Barbara Stelzl-Marx. 17.2.2008. Abb. 73: Ein sowjetischer Besatzungssoldat mit seinem österreichischen Kind. Kurze Zeit später musste er in die Sowjetunion zurückkehren. (Quelle: Sammlung Stelzl-Marx, Bestand Ganswohl)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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