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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 533 -
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3. Besatzungskinder 533 nicht ihre rechtliche Lage. Neben der Stigmatisierung liegt eine weitere Ursa- che hierfür im häufig schwierigen familiären Umfeld bzw. in der in Heimen oder bei Pflegeeltern verbrachten Kindheit. Viele verspürten ein latentes bis offenes Gefühl, im Grunde nicht erwünscht zu sein. 3.2 Kindheit bei Tanten und Pflegeeltern Vielfach wuchsen „Besatzungskinder“ bei Großeltern, anderen Verwandten, Pflege- oder Zieheltern oder in Heimen auf. Dies konnte etwa der Fall sein, wenn die alleinstehende Mutter arbeiten ging oder der (spätere) Stiefvater das Kind ablehnte. Manche sprechen sogar von Hass, der ihnen entgegen- schlug. So kam etwa Anna E. nach der Rückkehr ihres Stiefvaters aus der Kriegsgefangenschaft zu Pflegeeltern: „Wie mein [Stief-]Vater heimgekom- men ist, hab ich fortmüssen. Er hat mich nicht mögen.“246 Fortan hatte sie eine Ziehmutter, zu der sie „Mutter“ sagen musste, neben ihrer leiblichen Mutter, die sie zur Unterscheidung „Rosl-Mutter“ nannte.247 Als „Tragik eines Besatzungskindes“ bezeichnete die „Arbeiter-Zeitung“ am 23. Jänner 1953 den Fall des sechsjährigen Anton Wesely. Er war kurz zuvor tot neben seiner Pflegemutter Anna Sch. aufgefunden worden, die Selbstmord begangen und das Kind mit in den Tod genommen hatte: „Und sie starb mit dem Kind, weil sie befürchtete, dass sich nun niemand mehr um den Buben, der sehr an ihr hing, kümmern werde. Sein Vater war ein russischer Soldat, der längst nicht mehr in Österreich ist. Die Mutter wollte von dem Kleinen nichts wissen. Anna Sch. hatte den kleinen Toni aus dem Heim zu sich genommen und wie ihr eigenes Kind gehalten [sic!]“, führte die Zeitung als Erklärung an.248 Seine Kindheit und Jugend verbrachte auch H. L. im Heim bzw. im SOS- Kinderdorf. Als er zweieinhalb Jahre alt war, wurde seine Mutter, Ingeborg Louzek, verhaftet, wenig später wegen Spionage und Beihilfe zum Vater- landsverrat zum Tod verurteilt und im Jänner 1951 in Moskau hingerichtet. Sein Vater, ein sowjetischer Besatzungssoldat, war bereits zuvor wegen Va- terlandsverrats erschossen worden. Ab dem Zeitpunkt der Verhaftung seiner Mutter kam H. L. in ein Heim in der amerikanischen Besatzungszone.249 Seine Großmutter mütterlicherseits, die in Wien lebte und offensichtlich aus Angst, ihr drohe gleichfalls eine Verhaftung, nicht die Zonengrenze über- 246 OHI, Anna E. 247 Ebd. 248 Die Tragik eines Besatzungskindes, in: Arbeiter-Zeitung, 23.1.1953, S. 4. 249 Siehe dazu auch das Kapitel B.I.2.6.7 „Bestrafung der Fluchthelfer“ in diesem Band; Stelzl-Marx, Verschleppt und erschossen, S. 44f.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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