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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 539 -
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3. Besatzungskinder 539 kolaja v čest’ družby vo vremja služby v Gaf- lence (Avstrija). Chrani i pomni. 12.11.45.“ Zu Weihnachten 2006 ließ Herbert Pils’ Tochter das Foto reproduzieren und den Text über- setzen: „Zum langen Andenken für Rosi von Nikolaj zu Ehren der Freundschaft während des Dienstes in Gaflenz (Österreich). Bewahre es und erinnere dich. 12.11.45.“ Danach hatte seine Mutter das Thema bis zu ihrem Tod 2001 nicht mehr angesprochen. Die Tabuisierung und Verheimlichung der Wahrheit empfanden viele bereits als Kind als belastend, so auch der 1947 in Ybbs geborene Reinhard Heninger. Er verspürte ein „unerklärliches Unbehagen“ und hatte das Ge- fühl, „etwas stimmte nicht“. 1950 heiratete seine Mutter, Katharina Dangl, seinen vermeintlichen Vater Karl Heninger. Erst 1953 erfolgte allerdings seine Namensänderung vom ledigen Namen seiner Mutter auf „Heninger“. Irri- tierend fand er zudem, dass ihnen die Fürsorge monatlich Besuche abstat- tete. Über all dies wurde in der Familie jedoch nicht gesprochen. Erst in der vierten Klasse Gymnasium erfuhr Reinhard Heninger dank des Einsatzes sei- nes Klassenvorstandes die Wahrheit: „Mein Klassenvorstand (Frau Prof. Dr. Schadauer) im Gymnasium Amstetten wurde zu meiner Vertrauten, nach- dem sie meine Suche nach meinen Wurzeln bemerkt hatte. Sie führte eine Reihe von Gesprächen mit meiner Mutter und klärte mich dann mit Einver- ständnis meiner Mutter über meine Situation auf, wies aber auf strenge Ver- traulichkeit hin.“268 Den primären Grund für die weiterhin anhaltende Tabuisierung seiner Herkunft stellte sein Stiefvater dar. Als „Kriegsteilnehmer im Russlandfeld- zug“ versuchte er, sämtliche Erinnerungen an den leiblichen Vater seines Stiefsohnes „auszuradieren“. Heningers Mutter gelang es glücklicherweise, einige Fotos ihrer „Jugendliebe“ und einen Brief bei einer Freundin zu verste- cken. Ansonsten hätte sein Stiefvater auch diese wenigen Spuren von Anton Pokulev zerstört. Erst nach dem Tod des Stiefvaters konnte Reinhard Henin- 268 Reinhard Heninger, Schreiben an Barbara Stelzl-Marx. Golling 22.1.2007. Abb. 75: Erst mit 14 Jahren erhielt Herbert Pils dieses Foto seines Vaters Nikolaj, mit dessen Hilfe er schließlich 2007 seine russischen Halbschwestern finden sollte. Bis zu ihrem Tod 2001 hatte seine Mutter nicht mehr über das Thema gesprochen. (Quelle: Sammlung Stelzl-Marx, Bestand Pils)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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