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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 542 -
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 542 „Besatzungskinder“, die mittlerweile im Pensionsalter sind, wurden ihr Le- ben lang von Identitätskrisen begleitet, weswegen die Suche nach dem Vater zeitlebens eine Schlüsselrolle spielte. Karl K., der von seinem Vater lediglich einen Vornamen weiß und vor Kurzem erfuhr, dass die Fotos seines Vaters von seinem Stiefvater vernichtet worden waren, meint dazu: „Persönlich habe ich in meinem Leben so ziemlich alles, was man sich so wünschen kann, erreicht und bin damit zufrieden. Mein Wunschtraum nach den väterlichen Wurzeln bleibt! Das werde ich nie vergessen können, soviel ich mich auch bemühen werde. Wenn man ein feinfühliger Mensch ist, bleibt das immer im Herzen.“275 Manchmal treiben auch die Kinder der Betroffenen die Suche nach dem unbekannten Großvater voran. So möchte etwa die Enkelin eines aus Kirgisi- en stammenden Rotarmisten Genaueres über ihre zentralasiatische Herkunft erfahren: „Nun ist es in unserer Familie so, dass alle blond und blauäugig sind, mit Ausnahme von meinem Vater und mir, die wir doch ‚etwas‘ asia- tisch aussehen. Meine Großmutter liebt mich sehr und nennt mich immer ein- dringlich: ‚Mein kleines schwarzes Luder.‘ Ich weiß, dass ich eine Menge von meinem Großvater geerbt habe und dass meine Großeltern eine innige Liebe verband. Es ist mir sehr wichtig, mehr über meinen Großvater zu erfahren und ihn eventuell zu finden.“276 Auch Herbert Pils überlegte, ob sein ausgeprägtes musikalisches Talent von seinem Vater stammen könnte: „Vielleicht war er auch musikalisch, weil ich das auch bin. Denn sonst aus meiner Verwandtschaft [mütterlicherseits] wüsste ich nicht, wo das herkommt.“277 Als er wenig später seine beiden Halbschwestern in Südrussland fand, zeigte sich, dass sein Vater und Groß- vater tatsächlich musikalisch gewesen waren und gerne gesungen hatten.278 Viele verspüren den Wunsch, Verwandte, eventuell sogar Halbgeschwis- ter, ausfindig zu machen, falls der Vater nicht mehr leben sollte. Sie würden gerne jemanden finden, mit dem sie über den Vater und sein Leben sprechen könnten.279 Monika G., deren Vater 1947 bei einem Autounfall verunglückte und in Baden auf dem „sowjetischen Friedhof“ begraben ist, sucht aus diesen Gründen ihre Angehörigen in der ehemaligen Sowjetunion. Sie erinnert sich, wie nach dem Tod des Vaters Mitarbeiter der Kommandantur seine persön- lichen Gegenstände aus der gemeinsamen Wohnung holten, darunter auch 275 Karl K., Schreiben an Barbara Stelzl-Marx. O. O. 7.4.2009. 276 M. K., Schreiben an Barbara Stelzl-Marx. Berlin 6.5.2004. Zit. nach: Stelzl-Marx, Freier und Befreier, S. 444. 277 OHI, Pils. 278 Herbert Pils, Elektronische Nachricht an Barbara Stelzl-Marx. 18.9.2008. 279 Sammlung Barbara Stelzl-Marx, Rosa K., Video-Suchaufruf. 1.9.2008.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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