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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 557 -
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3. Besatzungskinder 557 wandten in Österreich vorantreiben. So wandte sich die Tochter eines ehe- maligen Besatzungssoldaten mit folgendem Anliegen an „Ždi menja“: „Mein Vater, Muradjan Artjuša Torgomovič, kämpfte zu Kriegsende in Österreich, Wien, wo er Schwabl Lieselotte kennenlernte, die als Lehrerin arbeitete. Sie gingen eine Beziehung ein, worauf sie von meinem Vater [nach dessen Ab- zug] eine Tochter auf die Welt brachte. Ich suche meine Schwester und ihre Mutter. Wir bitten um Ihre Hilfe.“325 Bereits 1991 hatte ihr Vater geplant, sich in Österreich auf Spurensuche zu begeben. Allerdings war er wenige Tage vor dem Abflug bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Doch auch die Suche seiner Tochter sollte zu keinem positiven Ergebnis führen. Auf einen im Juni 2009 veröffentlichten Zeitungsartikel hin meldeten sich Angehörige von Lieselotte Schwabl bei der Autorin:326 Die junge Frau war bereits Anfang der 1950er Jahre verstorben. Von der Liaison mit dem sowjetischen Offizier hatte anscheinend niemand in der Familie etwas gewusst, geschweige denn von einer Schwangerschaft. Das gemeinsame Kind dürfte sie noch vor dessen Geburt verloren oder abgetrieben haben, eventuell aus Verzweiflung über den Abzug von Muradjan. Außerdem hätte ihre eigene Mutter, vor der sie die Beziehung gleichfalls verheimlicht haben dürfte, „das Kind von einem Russen niemals akzeptiert“, vermuten ihre Verwandten heute.327 Eine ähnliche Spurensuche begann auch die Enkelin eines aus Kasachstan stammenden ehemaligen Besatzungssoldaten. Sie wollte herausfinden, ob sie tatsächlich Verwandte in Österreich hatte und ob das Kind, das ihr Großvater anscheinend zeugte, einer freiwilligen Beziehung oder eventuell einer Verge- waltigung entstammte: „After the war, he returned to Kazakstan where one day he got an anonymous note congratulating him on the birth of a son in Austria. My grandfather spoke of this only once in his life, so the familiy is really not sure what happened and whether it was a rape case. I only know that the Austrian girl’s name was Helen and her father was an university pro- fessor. […] The bottom line is that I want to find out what happened there – whether the child (this would be my uncle born either in 1945 or 1946) sur- vived and what happened to the woman.“328 Auch der Sohn von Aleksandr Krečet, den die Autorin im Frühling 2008 auf Wunsch seiner ehemaligen Freundin Edith Nemetz ausfindig machen konnte, interessierte sich dafür, ob es eventuell eine Halbschwester in Öster- 325 Sammlung Barbara Stelzl-Marx, Bestand Schwabl. 326 Eva Schweighofer, „Ich suche meine Schwester. Zeitgeschichte“, in: Kronen Zeitung, Krone Bunt. 16.6.2009, S. 26. 327 Karin H., Freundliche Auskunft an Barbara Stelzl-Marx. Wien 15.6.2009; Gerlinde R., Freundliche Auskunft an Barbara Stelzl-Marx. Wien 16.6.2009. 328 Z. Z., Schreiben an Barbara Stelzl-Marx, O. O. 1.10.2002. Zit. nach: Stelzl-Marx, Freier und Befreier, S. 447.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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