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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder
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reich gab: „Das wäre nämlich leicht möglich, denn meine Tante, die Schwes-
ter von Aleksandr Ivanovič, erzählte, dass mein Vater eine Lebensgefährtin
in Österreich gehabt hatte, an die er häufig in der Nachkriegszeit gedacht
hatte.”329
Die Zahl jener ehemaligen sowjetischen Besatzungssoldaten, die nach ihrem
Abzug aus Österreich mit ihrem Kind in Verbindung treten konnten, dürf-
te überschaubar sein. Manche wussten nichts von der Existenz eines „öster-
reichischen“ Nachkommens und erinnern sich lediglich an eine romantisch
verklärte Zeit im Westen. Andere verspürten zunächst zu große Angst vor
möglichen Repressalien (oder auch Ablehnung innerhalb ihrer Familie und
Umgebung) und verloren danach die Hoffnung, dass eine mögliche Suche er-
folgreich sein könnte. Wieder andere scheiterten bei ihren Nachforschungen,
die sie über verschiedene Kanäle in die Wege geleitet hatten.
Der häufig zu beobachtende Umstand, dass (einstige) Verbindungen zwi-
schen Österreicherinnen und Besatzungsangehörigen geheim gehalten wur-
den und werden, bedeutet natürlich keineswegs, dass diese nicht existierten.
Dabei fiel es den im Ausland stationierten Männern ungleich leichter, nach
ihrer Heimkehr derartige Liebesbeziehungen und daraus entstandene Kin-
der zu verheimlichen, als den betroffenen Frauen, die der sozialen Kontrol-
le ihrer Umgebung in einem weitaus größeren Ausmaß ausgesetzt waren.330
Selbst mehr als ein halbes Jahrhundert nach Ende der Besatzung reichen die
Spuren dieser – sowohl freiwilligen als auch zwangsweisen – Verbindungen
über mehrere Generationen und über die geografischen Grenzen Österreichs
hinaus.
329 Igor’ Krečet, Elektronische Nachricht an Barbara Stelzl-Marx. 30.3.2008.
330 Bauer – Huber, Sexual Encounters across (Former) Enemy Borderlines, S. 93.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918