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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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III. ALLTAG, FREIZEIT, BESATZUNGSRITUAL Trotz der großen Präsenz der Besatzungssoldaten und der zahlreichen über- lieferten österreichischen Berichte über Vorfälle mit „Männern in Uniform“ ist bisher kaum etwas über den „sowjetischen“ Alltag in Österreich, ihre Freizeitaktivitäten, Verpflegung oder den Tagesablauf bekannt. In Form ei- nes Perspektivenwechsels wird im Folgenden die Mikroebene Lebenswelt aus sowjetischer Sicht rekonstruiert, wobei die Reglementierung des Alltags ebenso zur Sprache kommt wie die Freizeitgestaltung und das Zelebrieren di- verser Riten und Feste während der Stationierung in Österreich. Dabei zeigt sich, dass Ausbildung, Sport und Gefechtsübungen einen Großteil des All- tags sowjetischer Soldaten einnahmen und vor allem die einfachen Soldaten einem strikten Aufgabenreglement unterzogen wurden. Die Pflege von Waf- fen, Ausrüstung und Kleidung gehörte ebenso zu diesen wiederkehrenden Aufgaben wie die Absolvierung von Politschulungen oder das Sauberhalten des Kasernengeländes und der Unterkünfte. Auch eine möglichst sinnvolle Freizeitgestaltung war vorgesehen, die zur Stärkung der Disziplin beitragen sollte. De facto boten sich den Wehrdienstleistenden jedoch immer wieder Möglichkeiten, den strengen Vorgaben – zumindest vorübergehend – zu ent- kommen. 1. Sowjetischer Alltag in Österreich 1.1 Von der Tagwache bis zum Zapfenstreich In der Besatzungsarmee war der Tagesablauf streng reglementiert: Aufstehen um 6.30 Uhr, anschließend Morgensport, Morgentoilette, Standeskontrolle, Frühstück von 7.30 bis 8.20 Uhr, worauf die obligatorische Politinformation folgte. Bis zum Mittagessen und erneut am Nachmittag waren Gefechtsübun- gen zu absolvieren. Am Abend mussten zunächst die Waffen gereinigt wer- den. Danach fanden die „politische Massenarbeit“ und die Vorbereitung auf die Übungen des nächsten Tages statt. Das relativ späte Abendessen begann um 21.30 Uhr und dauerte bis 22.20 Uhr. Ab 23 Uhr begann schließlich die Nachtruhe. Nur in den Stäben ging man den Tag etwas gemütlicher an.1 Der generell straffe Zeitplan sollte eine möglichst strenge Kontrolle über die einzelnen Militärangehörigen erleichtern und die Disziplin in den Einhei- 1 CAMO, F. 863, op. 1, d. 50, S. 126f., Befehl Nr. 0110 des Kommandanten der 4. Garde-Armee, Garde- Generalleutnant Zachvataev, und des Mitglieds des Militärrates der 4. Garde-Armee, Generalmajor Šepilov, über den Tagesablauf in der Sommersaison, 21.5.1945. Siehe dazu auch Tabelle 8 im An- hang dieses Bandes.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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