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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 563 -
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1. Sowjetischer Alltag in Österreich 563 Darüber hinaus musste mehrfach eingefordert werden, dass „100 Prozent der Militärangehörigen“ den Übungen, die teilweise insgesamt acht Stunden pro Tag dauerten, beiwohnen sollten – außer „konkrete Aufgaben“ verlang- ten nach einer zeitlichen Einschränkung. Zu den Übungen zählten – abge- sehen von der politisch-moralischen Schulung – Schießübungen, taktische Übungen oder eigene Schulungen für die Artillerie.16 Gerade für Offiziere der operativen, Nachrichten- und Politabteilungen war außerdem laut Befehl Nr. 06438 des Stabes der CGV vom 19. Septem- ber 1945 Deutschunterricht verpflichtend. Schließlich mussten sie mit der einheimischen Bevölkerung kommunizieren bzw. relevante Informationen in Erfahrung bringen können. Die durchaus intensiven Sprachkurse wurden von Übersetzern der Nachrichten- und Politabteilungen in Gruppen von fünf bis sieben Teilnehmern geleitet. Sie standen bereits in der Früh auf dem Pro- gramm: täglich von 9 bis 11 Uhr mit Ausnahme von freien Tagen.17 Bis Mitte Oktober hatten sich etwa in der 17. Garde-Division mehrere Gruppen gebildet, in denen Offiziere Deutsch lernten. Allein in der Verwal- tung der Division gehörten zwölf Offiziere dazu. Offensichtlich war außer- dem angeregt worden, Englischunterricht zu nehmen. Doch kamen hier kei- ne Kurse zustande, da es an qualifizierten Lehrern mangelte.18 Trotz des straffen Dienstplanes boten sich den in Österreich stationierten sowjetischen Besatzungssoldaten zahlreiche Freiräume, die sie für diverse – aus Sicht der militärischen Führung –, vielfach unerwünschte Aktivitäten nutzten. Eine wesentliche Rolle spielte dabei auch die Form der Unterbrin- gung. 1.2 Unterbringung, Verpflegung, Bekleidung 1.2.1 Leben hinter Kasernenmauern und in Villen Neben der Durchsetzung des streng reglementierten Tagesablaufes setzte die militärische Führung vor allem auf die möglichst vollständige Isolierung der Truppe nach außen. Dabei stieß man gerade in der ersten Zeit auf das Pro blem, geeignete Unterkünfte für die gewaltigen Kontingente der Roten 16 CAMO, F. 894, op. 1, d. 65, S. 263–266, Befehl Nr. 064 des Kommandeurs der 4. Garde-Schützendivi- sion, Garde-Generalmajor Parfenov, und des Leiters des Stabes, Garde-Oberstleutnant Bagatenko, über die militärische und politische Schulung der Einheiten im August 1945, 28.7.1945. 17 AM 4. GA, Bestand 4. Garde-Armee, Dok. Nr. 15, Befehl Nr. 0132 des Leiters des Stabes der 4. Garde-Armee, Garde-Generalmajor Fomin, über den Deutschunterricht für Offiziere, 30.9.1945. 18 CAMO, F. 894, op. 1, d. 66, S. 258, Bericht des Leiters des Stabes der 17. Garde-Division, Garde- Oberstleutnant Chimov, über den Deutschunterricht für Offiziere, 22.10.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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