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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 564 -
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III. Alltag, Freizeit, Besatzungsritual564 Armee zu finden. Aufgelassene Kriegsgefangenenlager und ehemalige Kaser- nen der Deutschen Wehrmacht wurden ebenso genutzt wie beschlagnahmte Häuser, Klöster, Schlösser oder Schulen. Die Einquartierungen in Privatwoh- nungen ermöglichten hingegen höheren Dienstgraden, zumindest partiell und peripher am österreichischen Alltag teilzunehmen. Als „besonders gute“19 Unterbringung galten etwa zwei Kasernenblöcke in Graz, die im Mai 1945 dem 42. Garde-Artillerieregiment des 6. Garde- Schützenkorps zur Verfügung standen: „Sämtliche Angehörige des Mann- schaftsstandes leben nach Batterien gegliedert in Einzelzimmern. Jeder Soldat und jeder Unteroffizier verfügt über ein Bett, eine Matratze, zwei Leintücher, eine Bettdecke und einen Polster. Die Zimmer sind mit Bildern der großen Führer, Spruchbändern, Plakaten und Blumen geschmückt, die Böden in den Zimmern und Gängen wurden mit Teppichen ausgelegt. Jede Batterie verfügt über ein Radiogerät“,20 hob ein Politbericht hervor. Diese Ausstattung stellte allerdings keine Selbstverständlichkeit dar. So nächtigten etwa die Soldaten eines gleichfalls in Graz stationierten Verbindungsbataillons auf gewöhnli- chen Pritschen ohne eigene Bettwäsche. Bessere Unterbringungsbedingungen für die Mannschaften mussten erst gefunden werden.21 Im Auftrag der Armeeführung forschten die einzelnen Kommandeure und Stabsleiter in der gesamten Besatzungszone geeignete Räumlichkeiten und ihren aktuellen Zustand aus. In St. Pölten zog man dafür unter anderem die Kaser- ne der ehemaligen Offiziersakademie heran, wo Platz für bis zu 1100 Personen war. Im Detail wurde jeweils recherchiert, ob die Wasserversorgung, Elektrizität und Kanalisation funktionierten oder wegen Bombenschäden u. Ä. erst repariert werden mussten, ob es Garagen, Pferdeställe, Klubräume und Speisesäle gab. Auch bei den beschlagnahmten Privathäusern war der Zustand von Wasser, Strom und Kanalisation ein wichtiges Kriterium. Hier wurde noch eigens darauf Bedacht genommen, ob die Zivilbevölkerung aus dem Gebiet, in dem das Regi- ment untergebracht werden sollte, bereits ausgesiedelt worden war.22 Wegen des Platzmangels mussten die vorhandenen Unterkünfte vor allem 1945 „maximal“ belegt werden. Dazu stellte man bei Bedarf zunächst zwei- 19 CAMO, F. 821, op. 1, d. 467, S. 195–199, Politbericht des Leiters des 6. Garde-Schützenkorps, Garde- Oberst Gruzdov, an den Leiter der Politabteilung der 57. Armee, Generalmajor Cinev, über den politisch-moralischen Zustand des Mannschaftsstandes, dessen Lebensbedingungen und die par- teipolitische Arbeit, 21.5.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 66. 20 Ebd. 21 Ebd. 22 CAMO, F. 894, op. 1, d. 64, S. 66f., Bericht des Kommandeurs der 40. Garde-Schützendivision, Gar- de-Oberst Bransburg, und des Leiters des Stabes, Garde-Oberstleutnant Chimov, über die Einquar- tierung der Division, 14.5.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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