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III. Alltag, Freizeit,
Besatzungsritual574
der Aufklärer ist immer noch schlecht“, lautete die interne Kritik vom Okto-
ber 1945.60
Innerhalb der Armee versuchte man auf verschiedene Weise, Abhilfe zu
schaffen. So ordnete der Leiter des Stabes der 4. Garde-Armee Anfang Au-
gust 1945 in St. Pölten an, Werkstätten einzurichten, die für Generäle und Of-
fiziere Uniformen und Stiefel anfertigen sollten. Ein Militärangehöriger und
108 Zivilbedienstete wurden für die Herstellung, 15 Militärangehörige und
20 Zivilbedienstete für Reparaturarbeiten an Stiefeln abgestellt. Bei den soge-
nannten Zivilbediensteten hatte man sowjetische DPs im Auge.61
Auch regelmäßige Körperpflege stellte anscheinend keine Selbstverständ-
lichkeit dar. So wurde in der Armeezeitung der CGV folgende Vorbereitung
auf einen freien Tag als vorbildlich geschildert: „In der Früh wusch sich jeder
der Artilleristen in der Banja, zog frische Wäsche an. Das organisierten der
Hauptfeldwebel der Batterie Nizen’kij und der Sanitätsinstrukteur Maslenni-
kov. Nach der Banja ließen sich die Gardisten beim Divisionsfriseur die Haa-
re schneiden und rasieren.“ Erst danach begaben sie sich ins „Leninzimmer“,
betrieben Sport, besuchten eine Theater- oder Kinoaufführung oder lasen ein
Buch, was gleichfalls einer – aus Sicht des Kommandos – idealen Freizeitbe-
schäftigung entsprach.62
1.2.4 Uniformen für Frauen in der Armee
Für Frauen in der Roten Armee gab es eigene Uniformkleider und -mäntel.
Bekannt sind etwa die Aufnahmen von weiblichen sowjetischen Militärange-
hörigen, die in Uniformkleid, Stiefeln und Barett den Verkehr in Wien regeln.
Häufig trugen sie aber auch Zivilkleidung: Boris Zajcev berichtet über die
drei Frauen in seiner in Bruck an der Leitha stationierten Einheit: „Meistens
trugen sie Zivilkleidung. Nur wenn jemand von den Vorgesetzten kam, dann
zogen sie die Uniform an. Üblicherweise hatten sie ihre Kleider an.“63
Allerdings war die Rote Armee 1941 trotz sozialistischer Emanzipationside-
ale und trotz der vormilitärischen Ausbildung vieler Frauen auf die Bedürf-
nisse Hunderttausender von Soldatinnen zunächst nicht vorbereitet gewesen.
60 CAMO, F. 894, op. 1, d. 88, S. 307–318, hier: S. 313, Bericht des Leiters der Geheimdienstabteilung
des Stabes der 31. Garde-Schützendivision, Garde-Oberstleutnant Varlamov, über die militärische
und politische Vorbereitung im 3. Quartal 1945, 2.10.1945.
61 AM 4. GA, Bestand 4. Garde-Armee, Dok. Nr. 8, Anordnung Nr. 082 des Leiters des Stabes der 4.
Garde-Armee, Garde-Generalmajor Fomin, über die Einrichtung von Werkstätten für die Reparatur
und Herstellung von Uniformen und Stiefeln, 1.8.1945.
62 Vychodnoj den’, in: Za čest’ Rodiny, 31.5.1945, S. 3.
63 OHI, Zajcev.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918