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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 579 -
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1. Sowjetischer Alltag in Österreich 579 dass es unumgänglich sei, sie in die Heimat zurückzubringen. Wenig später wurden etliche Güterzüge mit Frauen, Kindern und Krimskrams aus Öster- reich zusammengestellt. Kein einziger Grund wurde für einen Aufschub der Ausreise akzeptiert.“75 Im Zusammenhang mit den Rückführungen der Familienmitglieder ver- wies er zudem auf die massenhafte Ausfuhr von Gütern aus Österreich, die auf nicht näher definierte Weise „erworben“ worden waren: „Für die Aus- fuhr von ‚erworbenem‘ Eigentum wurde jeder Familie ein halber Güterwag- gon zur Verfügung gestellt. Die Familien der Obersten erhielten einen eige- nen Waggon. Dies war eine halboffizielle Erlaubnis zur Ausfuhr von allerlei Gerümpel, das auf unterschiedlichen Wegen im Land erworben worden war. Als Andenken wurde vieles mitgenommen, sogar die Kachelverkleidung von Öfen. Diese umgehende Umsiedlung einer Masse von Leuten und Eigentum ging vor den Augen der Österreicher vor sich.“76 Dieses Verbot, das offensichtlich auf ideologischen und „wirtschaftlichen Überlegungen beruhte, wurde erst 1953 aufgehoben, auf Antrag des neuen Oberbefehlshabers der CGV, General-Oberst S. S. Birjuzov. Er konnte die Führung überzeugen, dass es vorteilhafter ist, einige unbedeutende materiel- le Ausgaben aufzubringen, als ständig mit einer Reihe schwerer außerordent- licher Vorkommnisse konfrontiert zu sein, die unvermeidbar sind, wenn eine große Anzahl junger Offiziere von der Familie getrennt ist.“77 Denn, so die Erklärung des GRU-Offiziers, die „in Einsamkeit lebenden Offiziere [sind] sehr demoralisiert, die Anzahl außergewöhnlicher Vorkommnisse wächst. […] Danach begann eine Masseneinreise in das Land. Dass diese Kapricen der Führung viele Millionen Rubel kosteten, trug in bedeutendem Maße zum Verfall unseres Prestiges in den Augen der Ausländer bei, [allerdings] machte das niemandem Sorgen.“78 Per Beschluss des Ministerrates der UdSSR Nr. 10470rs vom 11. August 1953 erhielten schließlich die Frauen und Kinder von Offizieren, Generälen und Admirälen, die den Posten eines Regimentskommandanten, eine gleich- wertige oder höhere Position einnahmen, generell das Recht, ihrem Mann bzw. Vater ins Ausland zu folgen. Dies betraf neben der Zentralen Gruppe der 75 Nikol’skij, GRU v gody Velikoj otečestvennoj vojny, S. 251; Bacher – Ruggenthaler, Als GRU-Offi- zier in Österreich, S. 144. 76 Nikol’skij, GRU v gody Velikoj otečestvennoj vojny, S. 251f; Bacher – Ruggenthaler, Als GRU-Offi- zier in Österreich, S. 144f. 77 Nikol’skij, GRU v gody Velikoj otečestvennoj vojny, S. 252; Bacher – Ruggenthaler, Als GRU-Offi- zier in Österreich, S. 144f. 78 Nikol’skij, GRU v gody Velikoj otečestvennoj vojny, S. 252; Bacher – Ruggenthaler, Als GRU-Offi- zier in Österreich, S. 145.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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