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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 582 -
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III. Alltag, Freizeit, Besatzungsritual582 Gern gesehen war es, wenn sich die Offiziersgattinnen „hausfraulich“ be- tätigten. Der folgende Artikel, der sich auf die „gute Initiative“ zweier Frauen bei der Gestaltung der Offizierskantine bezog, sollte offensichtlich Vorbild- wirkung haben: „Sie tauschten die alten Vorhänge vor den Fenstern gegen neue aus. Die Porträts, Losungen und Plakate brachten sie in Ordnung. Von dem Zeitpunkt an, als sie in der Kantine einschritten, änderte sich deren Aus- sehen. Die Blumen, die schon seit dem Winter keine Pflege erfahren hatten (verstaubt und verwelkt), erholten sich dank des eifrigen Einsatzes von Oľga Ivanovna [Dolgova] und Marija Petrovna [Logvinovskaja]. Wenn jetzt Offi- ziere zum Mittag- oder Abendessen in die Kantine kommen, können sie sich in einer sauberen und angenehmen Atmosphäre ausruhen.“86 Die Ausschnitte aus den folgenden beiden Interviews werfen ein Schlag- licht auf die Situation der in die sowjetische Besatzungszone nachgezogenen Offiziersfrauen. Sie befanden sich zwar auf österreichischem Boden, lebten aber ein weitestgehend exterritoriales Leben und blieben größtenteils unter sich. Mangelnde Deutschkenntnisse stellten dabei sicherlich eine der Barrie- ren dar. Darüber hinaus ergaben sich durch die Beschäftigung mit Haushalt und Kindern weit weniger Anknüpfungspunkte zu Einheimischen als über den Dienst der hier eingesetzten Militärangehörigen. Fedor Ovsjuk, der ab Herbst 1952 für ein Jahr als Offizier in Lilienfeld stationiert war, betont in die- sem Zusammenhang: „Meine Frau traf sich mit [sowjetischen] Freundinnen, sie las, kochte. Und wenn ich nach Wien fuhr, nahm ich sie mit, denn wenn ich in Wien war, traf ich viele meiner Bekannten, mit denen ich in Wien in der Alliierten Kommission arbeitete. Meine Freunde, Kollegen vom Institut, die auch meine Frau kannte. Das heißt, sie trafen sich. So war es interessant für sie, und sie hat gleichfalls die besten Erinnerungen an diese Zeit in Öster- reich. […] Deutsch konnte sie kaum. Das hat sie wenig interessiert. Im Ge- gensatz zu mir brauchte sie es auch nicht. In Österreich wurde sie schwanger. Somit gab es etwas, womit sie sich beschäftigen konnte.“87 Auch in den Erinnerungen von Evgenij Malašenko, der von 1954 bis Sep- tember 1955 in Baden diente, stehen die familiären Pflichten seiner Frau, die ihm erst Anfang 1955 – mehrere Monate nach der Geburt ihres zweiten Soh- nes – ins Ausland folgte, im Vordergrund. Auf die Frage, was sie in Öster- reich machte, antwortete er: „Zwei Kinder. Was machen Frauen, wenn sie zwei Kinder haben? Eines war zwei Monate oder vier, das andere sechs Jahre alt. Was macht eine Frau? Die Frau kümmerte sich um die Kinder, machte das Essen, hier und da gingen wir in ein Restaurant. Außerdem hatten wir 86 R. Charisov, Ženy oficerov šefstvujut nad stolovoj, in: Za čest’ Rodiny, 14.5.1946, S. 3. 87 OHI, Fedor Ovsjuk. Durchgeführt von Barbara Stelzl-Marx. Moskau 5.6.2007.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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