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III. Alltag, Freizeit,
Besatzungsritual594
Für die Besatzungssoldaten stellten die Jagd und Fischerei in Österreich
trotz dieser Zwischenfälle eine beliebte Freizeitbeschäftigung dar, die zu-
gleich zur Aufbesserung ihres Speiseplans beitrug. So erinnert sich auch der
ab Herbst 1952 in Lilienfeld stationierte Offizier Fedor Ovsjuk, in seiner Frei-
zeit gefischt zu haben. Dabei betont er, sich an gewisse Vorgaben der Armee-
führung gehalten zu haben: „Dort gab es einen Fluss, wo man fischen konnte.
Das war uns erlaubt – fischen. Wir haben nicht gewildert, sondern nur dort
gefischt, wo es erlaubt war, im Fluss. Beim Kloster gab es nämlich eine Forel-
lenzucht. Dort fischte niemand. Sonst hätte man gesagt: ‚Was soll das?! Hier
werden Forellen gezüchtet und ihr stehlt sie?‘ Aber im Fluss konnte man fi-
schen, so viel man wollte. […] Nur hatte ich wenig Zeit.“121
Der straffe Zeitplan lag allerdings durchaus im Interesse des Kommandos.
Je mehr die Armeeangehörigen zu tun hatten, desto weniger kamen sie auf
„dumme Gedanken“. Ein intensives Sportprogramm und der Versuch, sie
„maximal mit Arbeit und Unterricht“ zu überhäufen, sollte zusätzlich den
gesamten Tag optimal ausfüllen.122 Gerade beim Sport ist daher die Grenze
zwischen Freizeit und Pflichtprogramm schwer zu ziehen.
2.2 Sportliche Aktivitäten
„Sport – das ist ein wichtiges Mittel der physischen Schulung und militäri-
schen Ertüchtigung der Soldaten, eine der klugen und attraktiven Formen
von Freizeitgestaltung. Wir müssen uns auf die armeeweite Spartakiade vor-
bereiten, um dort unsere sportliche Ehre zu verteidigen. Die besten Rekorde
müssen wir erringen!“123 Unter der Überschrift „Der freie Tag“ widmete sich
ein Artikel auf der Titelseite von „Za čest’ Rodiny“ vom 7. April 1946 ver-
schiedenen Möglichkeiten, die dienstfreie Zeit möglichst sinnvoll zu verbrin-
gen. Die Tage würden nun länger werden, man könne nun besonders viele
„Massenveranstaltungen“ wie Fußballturniere, Volleyballspiele oder Athle-
tikwettkämpfe initiieren. Sport müsse einen „besonders großen Platz in der
Freizeit der Soldaten und Unteroffiziere einnehmen“, wurde den Lesern ins
Gewissen geredet.124
Garde-Generalmajor Afonin, und des Leiters des Stabes, Garde-Oberstleutnant Gorčakov, über das
Verbot, mit Sprengmitteln zu fischen, 18.5.1945.
121 OHI, Ovsjuk.
122 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 101, S. 57f., Bericht des Bevollmächtigten des Leiters der NKVD-Truppen
zum Schutz des Hinterlandes der Südlichen Gruppe der Streitkräfte, Oberst Semenenko, und des
stv. Stabschefs, Oberstleutnant Počuev, an die NKVD-Einheiten über Desertion und unerlaubtes
Entfernen von der Truppe, 30.8.1945.
123 Den’ otdycha, in: Za čest’ Rodiny, 7.4.1946, S. 1.
124 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918