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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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III. Alltag, Freizeit, Besatzungsritual610 Frühling wird es hier wunderschön sein – die gesamten Alpen blühen. Alt- eingesessene erzählen, dass der Sommer ebenfalls für die Erholung günstig ist: ausgezeichnete Bergluft, keine Schwüle, Kräuter. Neben dem Erholungs- heim gibt es einen Volleyball- und einen Tennisplatz.“200 Trotz dieser verlockenden Angebote waren Heimaturlaube sicherlich weitaus begehrter. Im August 1945 kam es etwa im Zusammenhang mit der Abfertigung der „Urlauber“ beim Wiener Südbahnhof zu einem zu großen Andrang der Passagiere und einer Überlastung der Züge. Mehrfach musste erst darauf hingewiesen werden, dass die Abreise laut dem entsprechenden Befehl Nr. 082 des Oberbefehlshabers der CGV zu bewerkstelligen war.201 Gemäß der Verordnung des Staatskomitees für Verteidigung der UdSSR Nr. 9533-s vom 20. Juli 1945 standen sämtlichen Generälen, Admirälen und Offizieren der Roten Armee ab Mitte August 1945 insgesamt 30 Urlaubstage zuzüglich der benötigten An- und Abreisetage zum Urlaubsort zu. Mann- schaftssoldaten und Unteroffiziere mit einer Dienstzeit von mindestens zwei Jahren hatten einen Urlaubsanspruch von 15 bis 20 Tagen exklusive der Rei- setage. Ausdrücklich wies das GKO darauf hin, dass „kurzfristige Urlaube“ insbesondere jenen Soldaten und Unteroffizieren, die „seit den ersten Tagen des Großen Vaterländischen Krieges in der Roten Armee dienten“, sowie je- nen Kriegsteilnehmern, die militärische Auszeichnungen erhalten und Ver- wundungen erlitten hatten, zu gewähren waren.202 In diesem Zusammenhang hatten die Kommandeure der Einheiten unter anderem dafür Sorge zu tragen, dass maximal sechs Prozent des Offiziers- standes bzw. drei Prozent der Unteroffiziere und Mannschaftssoldaten jeder Einheit gleichzeitig auf Urlaub gehen durften. Für den Transport der Ange- hörigen sowjetischer Besatzungstruppen wurden eigene Züge bereitgestellt, die, wie im Falle Österreichs und Deutschlands, täglich in die Sowjetunion fuhren. Die Route für Militärangehörige der CGV lief über Budapest und Jas- sy bis nach Char’kov. Von dort aus fuhren sie mit normalen Passagierzügen weiter.203 Vor dem Hintergrund der Plünderungen sowjetischer Besatzungssoldaten in Österreich erscheint insbesondere folgende Regelung signifikant: Jeder der 200 Dom otdycha v Al’pach, in: Za čest’ Rodiny, 28.3.1946, S. 6. 201 CAMO, F. 3415, op. 1, d. 96, S. 154, Befehl Nr. 02308 des Bevollmächtigten des Leiters des Stabes der 18. Panzerdivision, Oberstleutnant Ševčenko, über die Abfertigung von Armeeangehörigen in den Urlaub, 20.8.1945. 202 CAMO, F. 3415, op. 1, d. 96, S. 96f., hier: S. 96, Information des Leiters des Stabes der 18. Panzerdi- vision, Garde-Oberst Belozerov, über den Befehl des GKO über den Urlaub für Militärangehörige, 24.7.1945. 203 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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