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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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III. Alltag, Freizeit, Besatzungsritual614 Wie viele Soldaten Opfer von Misshandlungen durch Offiziere oder ihre Kameraden wurden, lässt sich nicht nachweisen. Analog zur Situation der Truppen auf dem Territorium der DDR kann allerdings generell davon aus- gegangen werden, dass die Sterblichkeitsrate in der sowjetischen Besatzungs- zone Österreichs auf einem niedrigeren Niveau lag als jene der auf sow- jetischem Gebiet stationierten Truppen. Dies ist vor allem auf die höheren Ausbildungs-, Ausrüstungs- und Sicherheitsstandards zurückzuführen.213 3.1.2 Bestattung Das Volkskommissariat für Verteidigung legte 1940 die Beisetzung der im Kampf gefallenen Militärangehörigen per Befehl Nr. 023 fest. Dabei war eine mehrfach gestaffelte Klassifizierung zu beachten. So durften verstorbene Offi- ziere, Unteroffiziere und Mannschaftssoldaten keinesfalls in einem gemeinsa- men Grab beerdigt werden. Die Einzel- und Massengräber mussten demnach mit „Pyramiden“ und Aufschriften, die Rang, Vor-, Nach- und Vatersnamen sowie Todesdatum der jeweiligen Militärperson beinhalteten, versehen wer- den.214 Aus Laxheit oder auch aufgrund der Umstände kam es – vor allem noch während der Kampfhandlungen – wiederholt zu Verstößen gegen diese Vor- schriften. Einzelne Gräber wurden weder mit den vorgeschriebenen Pfosten noch mit Namensaufschriften gekennzeichnet. Gefallene Offiziere wurden in Gemeinschaftsgräbern bestattet. „Außerordentlich schlecht“ war es auch um die Übersendung der persönlichen Utensilien und Wertgegenstände der „im Kampf für die Heimat gefallenen Militärangehörigen“ an ihre Angehörigen in der Sowjetunion bestellt. Die Schuld traf in erster Linie die Truppenkom- mandeure, die die Einhaltung der entsprechenden Befehle unzureichend überwachten.215 In der Vollmacht der Truppenkommandeure lag zudem, ob sie die Toten posthum als ehrenvoll oder ehrlos einstuften. Von ihrer Einschätzung der Umstände des Ablebens hing ab, wie die Begräbnisfeier ausgestaltet wurde. Die Bandbreite reichte vom Quasi-Staatsbegräbnis bis zur Beisetzung im Ge- heimen. War der Militärangehörige nicht in Erfüllung der „vaterländischen Pflicht“, sondern womöglich durch einen selbst verursachten Unfall oder an 213 Satjukow, Besatzer, S. 166f., 174f. 214 CAMO, F. 1310, op. 1, d. 4, S. 43, Befehl Nr. 033 des Kommandeurs der 5. Garde-Luftlandedivision, Garde-Generalmajor Afonin, und des Leiters des Stabes, Garde-Oberstleutnant Gorčakov, über die Beisetzung von gefallenen Militärangehörigen, 6.3.1945. 215 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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