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3. Riten, Feiern, Zeremonien 617
der Armee, das Andenken an die „Vorkämpfer“ unter den Landsleuten zu
bewahren.
Wie die von Peter Sixl erstellte Dokumentation anschaulich illustriert,
hoben sich die an den sowjetischen Kriegsgräbern angebrachten roten Sow-
jetsterne, mitunter auch Hammer und Sichel, und die vielfach verwendeten
standardisierten Obelisken von Anfang an von den umliegenden Gräbern
ab.222 Auf dem Wiener Zentralfriedhof blicken dem Besucher zwei martialisch
anmutende Kriegerstatuten kampfbereit entgegen. Heute existieren für ver-
storbene Sowjetbürger rund 215 militärhistorische Gedenkstätten und Fried-
höfe, die meisten davon in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone.223
Als „steinernes Versprechen“224 fordern sie „ewiges Gedenken an die Solda-
ten, die ihr Leben für die Verteidigung der Staatsinteressen der sowjetischen
Heimat 1945 gegeben haben“,225 oder auch „ewigen Ruhm den Helden der
Sowjetarmee, die in den Kämpfen für die Befreiung Wiens gefallen sind“.226
Diese Heldensemantik ist bis heute in Verwendung. So wertete der russi-
sche Botschafter in Wien, Stanislav Osadčij, auch das 2005 erschienene „Ge-
denkbuch“ als ein „würdiges Denkmal für die beispiellose Heldentat meiner
Landsleute“.227
Von österreichischer Seite wurde die Erinnerung an die verstorbenen
sow jetischen Militärangehörigen hingegen oft an den „Rand“ gerückt. Dies
korrespondiert auch mit der geografischen Lage der „Russengräber“, wie sie
landläufig genannt werden: Meist befinden sich die Denkmäler und Grab-
anlagen an der Peripherie – in abgeschiedenen Teilen von Friedhöfen oder
an abgelegenen Plätzen und in Parkanlagen.228 Eine Ausnahme stellt das im
August 1945 auf dem Wiener Schwarzenbergplatz zu Ehren „der bei der Ein-
nahme der österreichischen Hauptstadt Wien gefallenen Helden“229 errichtete
222 Zu den sowjetischen Grabstätten in Deutschland siehe: Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erin-
nerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft – Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
(Hg.), Gedenkbuch. Grabstätten sowjetischer Bürger auf dem Gebiet des Freistaates Sachsen. Kniga
pamjati. Zachoronenija sovetskich graždan na territorii Vol’noj zemli Sksonija. Dresden 2008.
223 Vgl. dazu die Abbildungen in: Sixl, Sowjetische Kriegsgräber in Österreich.
224 Satjukow, Besatzer, S. 172.
225 So etwa die Inschrift am Massengrab sowjetischer Soldaten in Perchtoldsdorf. Siehe dazu die Abbil-
dungen in: Sixl, Sowjetische Kriegsgräber in Österreich, S. 67.
226 So etwa die Inschrift am Massengrab sowjetischer Soldaten in Stammersdorf. Siehe dazu die Abbil-
dungen in: Sixl, Sowjetische Kriegsgräber in Österreich, S. 19.
227 Stanislaw W. Ossadtschij, Geleitwort, in: Peter Sixl, Sowjetische Kriegsgräber in Österreich. Sovets-
kie mogily Vtoroj mirovoj vojny v Avstrii. Veröffentlichungen des Ludwig Boltzmann-Instituts für
Kriegsfolgen-Forschung, Sonder-Bd. 6. Graz – Wien – Klagenfurt 2005, S. 10.
228 Dornik, Erinnerung am Rande, S. 408f.
229 AM 4. GA, Bestand 4. Garde-Armee, Dok. Nr. 9, Anordnung Nr. 094 des Leiters des Stabes der
4. Garde-Armee, Garde-Generalmajor Fomin, bezüglich der Enthüllung des Denkmals zu Ehren
gefallener Rotarmisten in Wien, 18.8.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918