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III. Alltag, Freizeit,
Besatzungsritual618
Denkmal dar. Mit einer Gesamthöhe von mehr als 30 Metern ist es nicht zu
übersehen.230
Nach Kriegsende mussten viele der Gräber und Friedhöfe erst „in Ord-
nung gebracht“ werden, verlangten entsprechende Befehle der sowjetischen
Militärführung. Die im Ausland gelegenen Gräber sowjetischer Soldaten wa-
ren als „historische Denkmäler der großen militärischen Heldentaten der Ro-
ten Armee bei der Zerschlagung des faschistischen Deutschland und seiner
Satelliten in Europa“ zu bewahren und entsprechend auszustatten, hieß es
wörtlich in einer Anordnung an die Truppen der 4. Garde-Armee in St. Pöl-
ten. Den Armeekommandeuren wurde per Befehl Nr. 105 vom 31. August
1945 aufgetragen, mit den „besten Offizieren“ das gesamte Territorium, in
dem die jeweilige Einheit stationiert war, zu überprüfen und neben der Er-
stellung von Lageplänen folgende Punkte festzuhalten:
1. Militärfriedhöfe, Einzel- und Massengräber von Soldaten und Offizieren
der Roten Armee, die an Straßen, in Gärten, auf Plätzen, auf Gehöften,
auf zivilen Friedhöfen und anderen Orten gelegen waren (Formular Nr.
1);
2. einzelne Denkmäler für „Kriegshelden und im Kampf für die Freiheit
und Unabhängigkeit unserer Heimat gefallener Helden“ (Formular Nr.
2);
3. Friedhöfe und Einzelgräber verstorbener sowjetischer Kriegsgefangener
und Zwangsarbeiter (Formular Nr. 3) sowie
4. Friedhöfe und Einzelgräber von Kriegsgefangenen und Angehörigen
der amerikanischen und britischen Armee (Formular Nr. 4).231
3.1.4 Garnisonsfriedhöfe und Umbettungen
Gleichfalls im August 1945 wurde der Befehl erteilt, eigene Garnisons- und
Korpsfriedhöfe in der sowjetischen Zone zu errichten. Die Divisionskomman-
deure erhielten daraufhin den Auftrag, gemeinsam mit den jeweiligen Stadt-
kommandanten bis zum 16. September 1945 geeignete Orte dafür zu eruie-
230 Auf dem 20 Meter in die Höhe ragenden Sockel des Denkmals für den unbekannten Soldaten
erhebt sich die zwölf Meter große Staute eines Rotarmisten mit der Fahne in seiner rechten und
einem Schild in seiner linken Hand. Vgl. Hannes Leidinger – Verena Moritz, 1945. Planung, Bau
und Einweihung des Russendenkmals, in: Matthias Marschik – Georg Spitaler (Hg.), Das Wiener
Russendenkmal. Architektur, Geschichte, Konflikte. Wien 2005, S. 15–20, hier: S. 17. Vgl. dazu auch:
Matthias Marschik – Georg Spitaler (Hg.), Das Wiener Russendenkmal. Architektur, Geschichte,
Konflikte. Wien 2005.
231 AM 4. GA, Bestand 4. Garde-Armee, Dok. Nr. 10, Befehl Nr. 0105 des Leiters des Stabes der 4. Gar-
de-Armee, Garde-Generalmajor Fomin, zur Durchführung der Erhaltungsarbeiten und Erfassung
von Militärfriedhöfen in Österreich, 31.8.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918