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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 623 -
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3. Riten, Feiern, Zeremonien 623 Vorabend in einzelnen Einheiten „festliche Versammlungen“ der Militäran- gehörigen sowie Filmvorführungen. Ferner waren für den Jahrestag selbst stets mehrere Programmpunkte vorgesehen. Beispielsweise erfolgte 1945 für die 18. Panzerdivision um 12 Uhr die feierliche Verlesung des entspre- chenden Befehls anlässlich des Jubiläums, gefolgt von einem Festessen. Ab 16 Uhr widmete man sich laut Plan dem „künstlerischen Laienschaffen“ und besuchte anschließend Filmvorführungen. Ab 21 Uhr gab es für die Offiziere im Offizierskasino eine Abendveranstaltung. Für den 8. November standen organisierte Jagden, Ausflüge und Fußballmatches zwischen den Garnisons- kommandos von Bruck an der Leitha und Hainburg auf dem Programm.250 Auch in anderen Einheiten veranstaltete man an diesen beiden Tagen Fußball- oder Volleyballturniere, Konzerte und Aufführungen der „künstle- rischen Laienschaffenden“. Der Befehl anlässlich des Jahrestages war „feier- lich“ zu verlesen. Unter der persönlichen Kontrolle der Kommandeure und Politoffiziere promenierten die Militärangehörigen unter Musikbegleitung (aber ohne Waffen) durch den Ort ihrer Stationierung und besuchten Sehens- würdigkeiten.251 Welche Bedeutung diesem Jahrestag beigemessen wurde, kommt zudem dadurch zum Ausdruck, dass die Kasernenunterkünfte, Kantinen, Klubräu- me, „Leninzimmer“ und Stabszimmer nicht nur geputzt und aufgewaschen, sondern frisch ausgemalt, dekoriert und in einen „vorbildlichen Zustand“ gebracht werden sollten. Ebenso „sauber“ mussten auch die Wehrdienstleis- tenden selbst sein, die im Vorfeld einer sanitären Behandlung unterzogen wurden. In der entsprechenden Anordnung wies der Divisionskommandant eigens darauf hin, dass die „Organisation der Verbesserung der Verpflegung an den Festtagen“ von den Befehlshabern persönlich kontrolliert werden müsse.252 Wie nicht anders zu erwarten, stand die Begehung gerade dieses Tages unter dem Stern der politisch-ideologischen Schulung. „Die gesamte Feier“, hieß es in einem entsprechenden Befehl, sei „mit besonderer Feierlichkeit durchzuführen, damit bei jedem Soldaten das Gefühl der Liebe zu seiner Heimat und die Bereitschaft, all seine Kräfte für die Stärkung der Streitkräfte des Landes des Sozialismus herzugeben, noch weiter entfacht werde“. Zu- gleich rief man die Soldaten zu besonderer Wachsamkeit auf und versuchte, 250 CAMO, F. 3415, op. 1, d. 96, S. 322, Information des Leiters des Stabes der 18. Panzerdivision, Gar- de-Oberst Belozerov, über die Begehung des 28. Jahrestages der Oktoberrevolution, 24.10.1945. 251 CAMO, F. 894, op. 1, d. 65, S. 399f., Befehl Nr. 0590 des Kommandanten der 17. Garde-Division, Garde-Generalmajor Sucharev, und des Leiters des Stabes, Garde-Oberstleutnant Chimov, über die Begehung des 28. Jahrestages der Oktoberrevolution, 30.10.1945. 252 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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