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I. Bilder der
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men eindeutig der Feindkategorie verhaftet. In den 1950er und 1960er Jahren
produzierte Filme weisen hingegen eine verschobene Freund-Feind-Kategori-
sierung auf. Analog zu den Spielfilmen des frühen Kalten Krieges transportier-
te die Filmpropaganda aktualisierte Feindbilder und Bedrohungsszenarien.20
Zur „Wir-Gruppe“ gehören jetzt allerdings nicht mehr generell Österreicher,
sondern primär Mitglieder „demokratischer“, sprich kommunistischer Orga-
nisationen.21 Diese setzen sich, wie bereits im Titel eines dieser Werke betont,
„Gegen die Bedrohung des Faschismus“22 oder den Militarismus23 ein. Auch
werden sie anlässlich von Veranstaltungen wie dem „Zehnjährigen Jubiläum
der Befreiung Österreichs“,24 dem „Zehnjährigen Jubiläum der Geburt der
Republik“,25 den „Lenintagen in Wien“26 oder dem 1955 gedrehten „1. Mai in
Wien“27 ausgiebig porträtiert. Vertreter „reaktionärer Kreise“ wie der katholi-
schen Kirche sind nun hingegen offener Kritik ausgesetzt.
Vor diesem Hintergrund entstanden in dieser Zeit mehrere Filme, die Pro-
bleme in der österreichischen Wirtschaft – als Folge des nicht eingeschlagenen
kommunistischen Weges – betonten. Ihre Handlung sowie ihre übergeordne-
te Botschaft kennzeichnet die für den Stalinismus charakteristische Betrach-
tungsweise, dass die Lebenswelten der unterschiedlichen Systeme inkompati-
bel sind und sich die Welt in „Gut und Böse“ bzw. in „sozialistisches Paradies
und kapitalistische Hölle“ unterteilt.28 So ist der Dokumentarfilm „Über die
Lage der Bauern in Österreich“29 durch die Gegenüberstellung des feudalen
20 Vgl. Verena Moritz, Kino der Angst. Feindbilder und Bedrohungsszenarien in der Filmpropaganda
des frühen Kalten Krieges, in: Karin Moser (Hg.), Besetzte Bilder. Film, Kultur und Propaganda in
Österreich 1945–1955. Wien 2005, S. 375–408.
21 RGAKFD, Nr. 19013, Dom kommunističeskoj pečati (v Vene) (1. Teil: 1954, 2. Teil: 1956, CSDF,
stumm, schwarz-weiß, Kamera: Anatolij Kološin, 339,8 m).
22 RGAKFD, Nr. 17794, Protiv ugrozy fašizma (1954, CSDF, stumm, schwarz-weiß, Kamera: Anatolij
Kološin, 726 m).
23 RGAKFD, Nr. 18833, Za vsenarodnoe golosovanie, protiv militarizma (1955, CSDF, stumm,
schwarz-weiß, Kamera: Anatolij Kološin, 239,7 m).
24 RGAKFD, Nr. 23123, Desjataja godovščina osvoboždenija Avstrii (1955, CSDF, stumm, schwarz-
weiß, Kamera: Anatolij Kološin, 255,3 m).
25 RGAKFD, Nr. 18773, 10-letie vozroždenie respubliki (1955, CSDF, stumm, schwarz-weiß, Kamera:
Anatolij Kološin, 176,9 m).
26 RGAKFD, Nr. 18772, Leninskie dni v Vene (1955, CSDF, stumm, schwarz-weiß, Kamera: Anatolij
Kološin, 45,5 m).
27 RGAKFD, Nr. 17476, 1 Maja v Vene (1955, CSDF, stumm, schwarz-weiß, Kamera: Anatolij Kološin,
129,4 m); RGAKFD, Nr. 18787, 1-oe maja v Vene (1955, CSDF, stumm, schwarz-weiß, Kamera: Ana-
tolij Kološin, 77,9 m).
28 Simone Schlindwein, Tagungsbericht: Leinwand zwischen Tauwetter und Frost: Der osteuropä-
ische Spiel- und Dokumentarfilm im Kalten Krieg, in: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/
tagungsberichte/id=913, 14.11.2005, 18.16 Uhr.
29 RGAKFD, Nr. 17303, O položenii krest’jan v Avstrii (1949, CSDF, stumm, schwarz-weiß, Kamera:
Kaspij, 82 m).
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918