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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Dokumentarfilme 645 ter tödlich verwundete Semen Stojanovskij – beruht, mehrfach die Rettung einer Kulturhauptstadt und somit einer ganzen Kulturnation durch die Rote Armee.69 Die beiden anlässlich des zehnten und 20. Jahrestages des Kriegsen- des produzierten Filme „Die Befreiung Wiens“70 und „Walzer der Freiheit“71 greifen diesen Topos erneut auf und verankern ihn noch tiefer im kollektiven Gedächtnis der sowjetischen Zuseher. Reminiszenzen an „The Great Waltz“ werden wach. Signifikant ist zudem, dass „Wien“ – wie andere (neuere) Filme über den „Großen Vaterländischen Krieg“ – das dichotomische Denken von „eigen“ und „fremd“ weiterführt und dem Denken in Freund- und Feind-Kategorien verhaftet bleibt.72 Im Vordergrund stehen zunächst die heroisch kämpfenden Rotarmisten, die sich ihren Weg von Ungarn kommend Richtung Wien bah- nen. Die heranrollenden sowjetischen Panzer und abgeworfenen Bomben werden ebenso ausgiebig dokumentiert wie der Kampf um jeden Block und jedes Haus. Der Fokus liegt in diesen Schlachtszenen auf den Rotarmisten, die sich in der Erstürmung Wiens bewähren; die gegnerischen Soldaten blei- ben weitestgehend unsichtbar, so sie nicht als Kriegsgefangene abgeführt werden oder als Leichen den Weg säumen. Bei der Verfolgung eines lediglich klein eingeblendeten „Deutschen“, der sich – offensichtlich vergeblich – in ein Haus zu retten versucht, vernimmt man den von Kampfgeräuschen hin- terlegten martialischen Off-Kommentar: „Die Einheiten umgingen die feind- lichen Garnisonen, umzingelten die Wohnorte, trieben die Deutschen aus den Städten und Dörfern. Sie verfolgten, erfassten die Einheiten des Feindes auf den Straßen und vernichteten sie.“73 Mehrere Nahaufnahmen zeigen hingegen die Zivilbevölkerung, die eu- phorisch, geradezu gerührt die Rote Armee willkommen heißt. „Die österrei- chischen Bauern verließen nicht ihre Dörfer. Sie weigerten sich, sich mit den Deutschen evakuieren zu lassen, und sind nun aus den Kellern und Wäldern gekommen, um die Rote Armee zu grüßen“, hört man aus dem Off. Walzer- klänge und Großaufnahmen freundlich lächelnder sowjetischer Soldaten run- den dieses erste Aufeinandertreffen zwischen Befreiern und österreichischen Befreiten ab. An anderer Stelle heißt es: „Ungeachtet der Gefahr halfen die Bewohner Wiens im Eifer des Gefechts verwundeten sowjetischen Soldaten.“ 69 Wurm, Walzer der Freiheit, S. 243. 70 RGAKFD, Nr. 10274, Osvoboždenie Veny. 71 RGAKFD, Nr. 21211, Val’s svobody. 72 Christine Engel, Ein ewiger Stern im patriotischen Diskurs. Zvezda 1947–2002, in: Peter Deutsch- mann – Peter Grzybek – Ludwig Karničar – Heinz Pfandl (Hg.), Kritik und Phrase. Festschrift für Wolfgang Eismann zum 65. Geburtstag. Wien 2007, S. 143–170, hier: S. 166. 73 RGAKFD, Nr. 11198, Vena.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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