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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Dokumentarfilme 649 1.4 „Val’s svobody“ – „Walzer der Freiheit“ 1965 Der letzte dieser Dokumentarfilme, die das CSDF anlässlich eines runden Jubiläums der Befreiung Österreichs in Auftrag gab, war der „Walzer der Freiheit“ von Anatolij A. Kološin, der zwischen 1950 und 1956 als Österreich- Korrespondent des Studios CSDF mehrere Langdokumentarfilme über Ös- terreich gedreht hatte. Der symptomatische Titel des etwa 50-minütigen Films verweist besonders anschaulich auf die „musikalische Dreivierteltakt- Konnotation“,88 die mit der Befreiung Österreichs einherging. „Walzer der Freiheit“ beginnt mit idyllischen Szenen in den Alpen, mit Schneelawinen und Schifahrern. Erst allmählich nähert er sich dem eigent- lichen Thema, nämlich der 20 Jahre zuvor in schweren Kämpfen befreiten österreichischen Hauptstadt. Im Vordergrund steht aber zunächst einmal mehr der Walzerkönig: Man sieht das Johann-Strauß-Denkmal im Stadtpark, unweit des Kursalons Hübner, wo Wienerinnen und Wiener das Tanzbein schwingen. Vor diesem Hintergrund ruft ein eindringlicher Off-Kommentar die eigentliche Botschaft des Films in Erinnerung: Ohne den Einsatz der Ro- ten Armee würde die Kulturmetropole in dieser Form nicht mehr existieren.89 Dabei erfuhr die bekannte und im sowjetischen Dokumentarfilm mehrfach implementierte Repräsentation von Wien als Musik- und Kulturhauptstadt einen nostalgisch-mahnenden Unterton. Faschisten, Monarchisten, Revan- chisten und Großkapitalisten würden sich nun hinter der idyllischen Maske des Donauwalzers verschanzen, warnte „Walzer der Freiheit“. Nur die wah- ren Bündnispartner der Sowjetunion, zu denen Vertreter der KPÖ oder auch der ÖSG zählten, wüssten noch, welcher Walzer tatsächlich getanzt werden sollte, nämlich jener mit den Befreiern. Hierbei handelte es sich um ein „Stück Imaginationskunde zwischen Trotz und Ritualisierung“.90 Ein ähnlicher Tenor war etwa auch bei dem fünf Jahre zuvor von Roman Karmen gedrehten Dokumentarfilm „Österreich heißt den Botschafter des Friedens willkommen“91 angeklungen.92 Im Vordergrund steht hier zwar der neuntägige, Ende Juni, Anfang Juli 1960 stattgefundene Österreichbesuch Nikita Chruščevs,93 doch kommt auch dieser Film nicht ohne Hinweise auf 88 Wurm, Walzer der Freiheit, S. 224. 89 Ebd., S. 227. 90 Ebd., S. 242, 246f. 91 Nr. 15794, Avstrija vstrečaet poslanca mira (CSDF, 5 Teile, vertont, schwarz-weiß, Regie und Ka- mera: Karmen, 1405,1 m). Ich danke Herrn Univ.-Doz. Dr. Siegfried Mattl und Herrn Mag. Michael Loebenstein, beide Wien, für die Bereitstellung einer Kopie des Films. 92 Ebd. 93 Silke Stern, „Ein Höflichkeitsbesuch rein protokollarischer Natur“. Der Staatsbesuch Nikita Chruščevs in Österreich 1960, in: Stefan Karner – Barbara Stelzl-Marx – Natalja Tomilina – Alexan-
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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