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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. Fotografien Neben Filmen prägen insbesondere Fotografien das visuelle Gedächtnis an den Zweiten Weltkrieg und die Besatzungszeit. Dieses wohl zentrale Medi- um, über das jene Zeit erinnert wird, weist einen Doppelcharakter auf: Das – vorwiegend noch schwarz-weiße – Foto wird einerseits als authentisches Dokument betrachtet, das den konkreten historischen Moment mit dem „Ob- jektiv“ festhält und eine Illusion von Echtheit vermittelt. Andererseits gilt es „als den Augenblick überhöhendes Kunstwerk, das über den konkreten An- lass hinaus eine allgemeine Aussage trifft“.97 Der über das Dokumentarische hinausgehende Bedeutungsgehalt vermittelt für den Betrachter in der spezi- ellen Situation auch subjektive und allgemeine Deutungen der historischen Situation.98 Gerade in der alltäglichen Praxis ist das historische Foto nach wie vor ein Mittel, um Meinungen eine gewisse „Anschauung mit Beweisanspruch“ zu verleihen. Hier besteht häufig noch der naive Glaube an die Evidenz des optisch-sinnlich Fassbaren, an die historische „Echtheit“ der Fotografie, die scheinbar keiner Rückfrage mehr bedarf. Als vermeintlich evidentes Doku- ment verlangt es somit keine begriffliche Deutung, wie dies bei schriftlichen Quellen der Fall ist. Selbst im professionellen Bereich dient historisches Bild- material oft nur als optischer Reizverstärker, als Präsentation der vergange- nen Wirklichkeit.99 Ein ernsthaftes Eingehen auf Fotos als historische Quelle bedeutet, ähnlich wie bei schriftlichen Dokumenten, Quellenkritik zu üben und nach den äuße- ren wie inneren Merkmalen ihrer Entstehung zu fragen. Dies kann sich aller- dings insofern als problematisch herausstellen, als vielfach genaue Angaben über Ort, Zeit und vor allem Umstände ihrer Entstehung fehlen. Auch nach dem Autor/Fotografen und seiner Sicht auf die Ereignisse müsste gefragt werden. Oft gestaltet es sich jedoch als schwierig, grundlegende Informati- onen über den historischen Kontext fotografischer Dokumente zu ermitteln. Im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte der Bilder ist zudem re- levant, mit welchem Ziel bzw. in wessen Auftrag die jeweiligen Aufnahmen gemacht wurden. Dabei stellt sich unter anderem die Frage, ob der Autor – etwa im Rahmen einer militärischen Hierarchie oder einer kommerziellen Bildver- 97 Peter Jahn, Einleitung, in: Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst (Hg.), Das mitfühlende Objektiv. Michail Sawin. Kriegsfotografie 1941–1945. Sopereživajuščij ob’ektiv. Michail Savin. Vo- ennaja fotografija 1941–1945 gg. Berlin 1998, S. 7–12, hier: S. 8. 98 Ebd., S. 10. 99 Ebd., S. 8.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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