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I. Bilder der
Besatzung666
ob ich zur Arbeit ging. Die ganze Zeit über hing die Kamera bei mir. Wenn
es etwas Interessantes gibt, fotografiere ich es sofort. Auch in Österreich, in
Bruck.“149 Als Kamera verwendete Zajcev eine „Rekord“, die er in Rumänien
„gefunden“ hatte. Zuvor hatte er in der Armee allerdings zunächst nicht foto-
grafieren dürfen und seine bei einem Wettbewerb gewonnene Kamera – den
sowjetischen Leica-Nachbau „FĖD“ – nach Hause schicken müssen.150 Schon
der Besitz eines Fotoapparates war an der Front für normale Soldaten und Of-
fiziere verboten, die sich auch an das Verbot hielten, wollten sie sich nicht der
Spionage verdächtig machen. Dies war den dienstlich beauftragten Journalis-
ten vorbehalten, die klare Dienstaufträge hatten:151 „Als ich 1939 in die Armee
einberufen wurde, nahm ich meinen Fotoapparat mit, machte aber nur eine
Aufnahme. Man sagte mir, ich müsse die Kamera nach Hause schicken. Fo-
tografieren war verboten. Ich schickte sie heim und begann zu fotografieren,
als wir die Grenze von Rumänien überschritten hatten. Ich fand dort einen
Fotoapparat, einen kaputten, den ich reparierte, und ich fotografierte. […] In
Rumänien ging ich einfach in ein Geschäft an der Frontlinie und verlangte
Filme. […] In einem Topf entwickelte ich die Filme.“152 Später gelang es, bes-
sere Materialien zu erhalten. In Österreich richtete er sich sogar in einem der
zwei Zimmer, die er in einem Privathaus bewohnte, eine Dunkelkammer ein.
Rund 400 Fotos schoss Zajcev während seiner Stationierung in Österreich.
Als er 1946 demobilisiert wurde, konnte er sowohl die Negative als auch die
149 OHI, Zajcev.
150 Ebd.
151 Jahn, Einleitung, S. 11; Peter Jahn, Sowjetische Kriegsfotografie, in: Ernst Volland – Heinz Krimmer
(Hg.), Jewgeni Chaldej. Der bedeutende Augenblick. Leipzig 2008, S. 36–43, hier: S. 39.
152 OHI, Zajcev. Abb. 109: Während seiner Stationierung in
Österreich von April 1945 bis Juni 1946 schoss
der Oberleutnant des Technischen Dienstes, Boris
Zajcev, mehr als 400 Fotos. Die Bilder geben per-
sönliche Einblicke in den Alltag von Rotarmisten.
Sie zeigen aber auch das Leben der österreichischen
Bevölkerung aus der Perspektive eines sowje-
tischen Besatzungssoldaten.
(Quelle: AdBIK, Foto: Zajcev)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918