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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 674 -
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II. Medium der Besatzung674 selbst die Militärpostnummer 48828-A, später 21561,15 angegeben. Dorthin konnte man sich auch für Bewerbungen – etwa für den Posten als Funker – wenden.16 Egor Isaev, der von 1946 bis 1949 als Funker für das Blatt arbeitete und in der Nacht die Meldungen der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS in Empfang nahm, erinnert sich, dass die Redaktion neben dem Chefredak- teur Semen Iosifovič Žukov aus einem Oberstleutnant und einem Leutnant bestand. Auch Fotografen und Karikaturisten, darunter ein Künstler namens Inčin, arbeiteten für die Zeitung.17 1.1.1 Zensur und Spionage Abgesehen von seiner Tätigkeit als Funker schrieb Isaev – wie etwa auch der später in der Sowjetunion angesehene Prosaiker18 und „Held der sozialisti- schen Arbeit“ Michail Alekseev – Artikel über das „Soldatenleben“ in Ös- terreich. Alekseev arbeitete in der Abteilung für Gefechtsausbildung, Isaev und sein Kollege Semen Borzunov in der Abteilung für Propaganda. Hinzu kamen auch Artikel, welche die Propagandalinie des Blattes wiedergaben, etwa der von Alekseev mitverfasste Beitrag mit dem symptomatischen Titel „Mit unseren eigenen Augen sehen wir die ganze Lüge und Ungerechtigkeit der bourgeoisen Gesellschaft“.19 Die spezielle Militärzensur, der sie unterla- gen, erklärt Isaev mit der Tätigkeit westlicher Nachrichtendienste: „In der Armee gab es ja viele Geheimnisse. Das ist verboten, und das ist verboten, und das. Irgendein Objekt – darüber zu schreiben, war verboten. Das gehörte zur Liste. Denn wir machten dort [im Ausland] Dienst. Und die Spione der anderen studieren unsere Materialien, und sie finden Kreuzungen, Koordi- naten, bestimmte Orte. Denn Spione bleiben Spione. Und deswegen gab es die Zensur.“20 Umgekehrt waren aber auch Mitarbeiter der sowjetischen Spionageab- wehr „Smerš“ in der Redaktion aktiv. Alekseev glaubt, diese hätten ihn we- gen seiner guten Kontakte zur örtlichen Bevölkerung als „gefährlichen Men- 15 Vgl. etwa: Za čest’ Rodiny, 18.8.1955, S. 4. 16 Redakcija gazety „Za čest’ Rodiny“ trebuetsja kvalificirovannye radisty, in: Za čest’ Rodiny, 5.3.1947, S. 8. 17 OHI, Isaev. Durchgeführt von Stelzl-Marx. 18 Alekseevs erstes Werk, der umfangreiche Roman „Soldaty“, erschien 1951. Er fand zu dieser Zeit wegen der heroischen Darstellung der Sowjetischen Armee Anerkennung. Vgl. Wolfgang Kasack, Lexikon der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Vom Beginn des Jahrhunderts bis zum Ende der Sowjetära. 2., neu bearbeitete und wesentlich erweiterte Auflage. München 1992, S. 35f. 19 M. Alekseev – V. Malafeev, Svoimi glazami my vidim vsju lož’ i nespravedlivost’ buržuaznogo obščestva, in: Za čest’ Rodiny, 7.9.1947, S. 5. 20 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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