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1. Die Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte 677
der Kritik stand dabei auch die Be-
richterstattung nichtkommunisti-
scher Zeitungen. Lobend wurden
lediglich Medien wie die „Öster-
reichische Volksstimme“ hervor-
gehoben, die eine „endgültige Lö-
sung des Problems der Säuberung“
verlangte.31
Die Anprangerung der Entna-
zifizierungspraxis manifestierte
sich – insbesondere 1947 – zudem
in mehreren Karikaturen von V.
Briskin. Sie zeigen etwa einen als
Schlange dargestellten Magistrats-
beamten, der sich seiner mit NS-In-
signien versehenen Schlangenhaut
entledigt,32 einen Mann am Redner-
pult, der einen Schatten in der Ge-
stalt Hitlers auf die Wand wirft,33
oder einen Nationalsozialisten, der
im Wohnzimmer im Kreise seiner Familie mit einem Spielzeugtraktor fährt,
statt im Gefängnis zu sitzen.34
1.3 Antiamerikanische Propaganda
Mit dem zunehmenden Misstrauen gegenüber den USA attackierte „Za čest’
Rodiny“ auch die amerikanische Position in diesem Zusammenhang. „Das
amerikanische Paradies für Faschisten“ lautete etwa die Überschrift eines
am 28. Februar 1948 erschienenen Artikels, der sich über eine ganze Seite er-
streckte. Den Grundtenor lieferten Zwischenüberschriften wie „Für die Ame-
rikaner sind die Faschisten keine Feinde mehr“, „Die Verbrecher geben ihre
Bedingungen vor“ oder „Sie befreiten Mörder“.35
Damit folgte die Zeitung der generellen Tendenz der politischen Berichter-
stattung in Österreich. Während nach Kriegsende die Freundschaft unter den
Alliierten im Vordergrund gestanden und selbst Anfang 1946 das Verhältnis
31 Avstrijskaja pečat’ o čistke v Avstrii, in: Za čest’ Rodiny, 5.3.1946, S. 7.
32 V. Briskin, Čudesa denacifikacii, in: Za čest’ Rodiny, 21.2.1947, S. 8.
33 V. Briskin, Ten’ prošlogo ego usynovila, in: Za čest’ Rodiny, 8.6.1947, S. 8.
34 V. Briskin, Papu nakazali, in: Za čest’ Rodiny, 12.6.1947, S. 3.
35 Amerikanskij raj dlja fašistov, in: Za čest’ Rodiny, 28.2.1948, S. 7.
Abb. 113: Als „Wunder der Entnazifizierung“
betitelte V. Briskin diese Karikatur in der Armee-
zeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte.
(Quelle: „Za čest’ Rodiny, 21.2.1947, S. 8)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918