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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 679 -
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1. Die Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte 679 1.3.1 „Yankee – go home!“ Unvergleichlich rauer war der Ton der späteren Berichterstattung über den nunmehrigen klaren Opponenten im Kalten Krieg,42 wobei angebliche Über- griffe amerikanischer Besatzungssoldaten im Vordergrund standen. Auch auf Deutsch nahm die Diskreditierung amerikanischer Armeeangehöriger als undisziplinierte Marodeure und rücksichtslose Gewalttäter so rasch zu, dass die amerikanische Seite dahinter eine gelenkte Propagandaaktion zur Ablenkung von Vergehen sowjetischer Armeeangehöriger vermutete. Die immer wiederkehrenden Topoi bildeten die sowjetische Munition „im Krieg der Worte“.43 Ein typisches Beispiel hierfür ist der Artikel „Die Amerikaner in Öster- reich“ vom 23. März 1948, der auf die schlechte Disziplin, Alkoholexzesse, Raufereien, Diebstähle und die hohe Rate an Geschlechtskrankheiten unter amerikanischen Besatzungssoldaten hinwies. Zur scheinbaren Objektivierung der Meldung bezog sich „Za čest’ Rodiny“ auf österreichische Quellen: „Die österreichische Presse berichtete besorgt über die Zunahme von venerischen Krankheiten in Salzburg und in Oberösterreich. Es wurde berichtet, dass die örtlichen amerikanischen Behörden beschlossen, statt gegen die Undiszipli- niertheit ihrer Soldaten vorzugehen, die erkrankten österreichischen Mädchen zu markieren: Jede sollte mit einem wasserfesten Zeichen am Bein markiert werden. Die amerikanischen Soldaten und Offiziere verüben oft Vergewalti- gungen von Österreicherinnen, an denen sie Gefallen gefunden haben.“44 Rund ein Jahr später erschien ein weiterer Beitrag unter derselben Über- schrift. Die österreichische Polizei habe jede Nacht mit den „wildesten, be- trunkensten Skandalen amerikanischer Soldaten“ zu kämpfen. Dafür gebe es einen einfachen Grund: Diese „animalischen Saufereien“ hätten sie von „bourgeoisen Medien und Filmen“ gelernt. Und bei den meisten der ameri- kanischen Besatzungssoldaten in Wien handle es sich um Freiwillige, die in der Heimat arbeitslos wären, wie etwa ein 35-jähriger Minenarbeiter: „Aber hier, in Wien, gefällt es ihm. Er macht, was er will, und hat sich nun endgültig dem Trunk ergeben.“45 Dieses Thema griff am 31. August 1949 auch der zwei Seiten lange Artikel „Die amerikanische Armee – eine Armee des Imperialismus“ auf. Bei der – 42 Zur Verschiebung des Feindbildes vgl. etwa V. O. Pečatnov, Ot sojuza – k vražde (sovetsko-ame- rikanskie otnošenija v 1945–1946 gg.), in: Cholodnaja Vojna 1945–1963. Istoričeskaja retrospektiva. Moskau 2003, S. 21–65. 43 Ebd., S. 165; Mueller, Österreichische Zeitung und Russische Stunde, S. 121. 44 Amerikancy v Avstrii, in: Za čest’ Rodiny, 23.3.1948, S. 6. 45 Amerikancy v Avstrii, in: Za čest’ Rodiny, 27.5.1949, S. 8.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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